Das Kariesrisiko-Assessment bezeichnet eine strukturierte zahnärztliche Beurteilung der individuellen Risikofaktoren eines Patienten für die Entstehung von Karies. Es umfasst die Bewertung von Mundhygienestatus, Ernährungsgewohnheiten, Speichelfluss und -puffer, Fluoridexposition, allgemeinen Erkrankungen (z. B. Xerostomie bei Medikamenteneinnahme) sowie der bisherigen Karieserfahrung. Ziel ist die Einstufung in Risikogruppen, um präventive Maßnahmen gezielt und evidenzbasiert einzusetzen.

Das Kariesrisiko-Assessment ist Bestandteil der Individualprophylaxe und im BEMA unter der Position IP2 für die Altersgruppe 6 bis 17 Jahre verankert.

Bedeutung für Ärzte

Für Zahnärzte ist das Kariesrisiko-Assessment nicht nur ein Abrechnungsinstrument, sondern auch ein wichtiges Dokumentationsmittel. Eine nachvollziehbare Risikobewertung schützt bei Behandlungsfehlerverwürfen und belegt, dass die Prophylaxe individuell angepasst war. Außerdem bildet das Assessment die Grundlage für die Entscheidung, ob teure Präventionsmaßnahmen wie Fissurenversiegelungen oder hochdosierte Fluoridierung indiziert sind. Ärzteversichert empfiehlt, das Assessment in der Patientenakte zu dokumentieren und regelmäßig zu aktualisieren.

Abgrenzung

Das Kariesrisiko-Assessment unterscheidet sich von der allgemeinen Kariesdiagnostik (Erkennung vorhandener Karies): Es ist eine prospektive Risikoabschätzung, keine Diagnose einer bestehenden Erkrankung. Es richtet sich an Patienten, die noch keine schwere Karies haben, und identifiziert jene, die ein erhöhtes Risiko für zukünftige Karies aufweisen.

Beispiel

Der 14-jährige Tim kommt zur halbjährlichen Vorsorge. Dr. Hess bewertet seinen Mundhygienestatus (schlecht: viel Plaque), seine Ernährung (häufige Süßigkeiten) und die Speichelqualität (eingeschränkt durch Asthma-Medikamente). Das Assessment ergibt ein hohes Kariesrisiko. Dr. Hess empfiehlt intensive Prophylaxe mit Fluoridlack, Mundhygienetraining und Ernährungsberatung und rechnet IP2 und IP3 ab.

Quellen

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