KI in der Medizin bezeichnet den Einsatz von Systemen Künstlicher Intelligenz, insbesondere maschinellen Lernverfahren und neuronalen Netzen, zur Unterstützung medizinischer Diagnose, Therapieplanung, Bildauswertung und klinischer Entscheidungsfindung. Medizinische KI-Systeme können radiologische Bilder auf Auffälligkeiten analysieren, EKG-Muster erkennen, Risikoprofile berechnen oder Therapieempfehlungen auf Basis großer Datensätze geben.

Als Medizinprodukte unterliegen KI-Systeme in der Medizin der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) und müssen je nach Risikoklasse eine CE-Kennzeichnung erhalten. Gleichzeitig stellt die EU-KI-Verordnung (AI Act) ab 2026 zusätzliche Transparenz- und Dokumentationsanforderungen für Hochrisiko-KI-Systeme im Gesundheitsbereich.

Bedeutung für Ärzte

Für Ärzte ist der Einsatz von KI-Systemen sowohl eine Chance als auch eine Verantwortungsfrage. KI kann Routineauswertungen beschleunigen und die diagnostische Genauigkeit verbessern; die ärztliche Entscheidungsverantwortung wird dadurch jedoch nicht auf das System übertragen. Rechtlich gilt: Der Arzt haftet für die Behandlungsentscheidung, auch wenn eine KI-Empfehlung zugrunde lag. Ärzte sollten daher nur CE-zertifizierte und für den jeweiligen Anwendungsfall validierte Systeme einsetzen. Ärzteversichert weist darauf hin, dass die Berufshaftpflichtversicherung bei Schäden durch fehlerhafte KI-Empfehlungen entscheidend ist; der Versicherungsschutz sollte auf KI-gestützte Behandlungsentscheidungen überprüft werden.

Abgrenzung

KI in der Medizin ist von konventioneller klinischer Entscheidungssoftware (Clinical Decision Support, CDS) zu unterscheiden: Klassische CDS-Systeme arbeiten regelbasiert und geben feste Warnmeldungen; KI-Systeme lernen aus Daten und verbessern sich mit wachsendem Datensatz. Darüber hinaus ist KI in der Medizin von KI-gestützter Dokumentation abzugrenzen: Letztere unterstützt administrative Abläufe, während medizinische KI direkt in den klinischen Entscheidungsprozess eingreift.

Beispiel

Ein Radiologe nutzt ein KI-System zur Auswertung von Mammografieaufnahmen. Das System markiert auffällige Bereiche und gibt eine Wahrscheinlichkeit für Malignität an. Der Radiologe prüft die KI-Ausgabe, ergänzt seine klinische Einschätzung und trifft die Befundentscheidung eigenverantwortlich. Da das System MDR-konform zertifiziert ist, kann die Praxis seine Nutzung gegenüber Patienten und Versicherern dokumentieren.

Quellen

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