Der Komorbiditätsindex ist ein standardisiertes Messinstrument, das die Anzahl und Schwere von Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) eines Patienten systematisch erfasst und zu einem Score zusammenfasst, der Rückschlüsse auf Therapierisiken, Prognose und den zu erwartenden medizinischen Ressourcenaufwand erlaubt. Der bekannteste Index ist der Charlson Comorbidity Index (CCI), der 17 definierte Erkrankungen berücksichtigt und deren Einfluss auf die 10-Jahres-Überlebensrate quantifiziert.

Bedeutung für Ärzte

Für Ärzte ist der Komorbiditätsindex bei der Behandlungsplanung, Risikostratifizierung und wissenschaftlichen Auswertung relevant. In der Abrechnung gewinnt er Bedeutung bei der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (MGV): Krankenkassen zahlen höhere Vergütungen für Praxen mit überdurchschnittlich kranken Patientenpopulationen. Auch für Qualitätssicherungsmaßnahmen und die Bewertung von Behandlungsergebnissen wird der Index genutzt. Ärzteversichert empfiehlt Praxen, Komorbiditätsdaten systematisch zu dokumentieren, da sie bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen als Erklärungsgröße dienen können.

Abgrenzung

Der Komorbiditätsindex unterscheidet sich vom Multimorbidiätsindex, der weniger auf Prognose, sondern auf die Anzahl gleichzeitig vorliegender Erkrankungen fokussiert. Auch vom Funktionsstatus-Scoring (z. B. ECOG-Performance-Status) ist er abzugrenzen, da letzterer die körperliche Leistungsfähigkeit, nicht die Erkrankungslast misst.

Beispiel

Eine internistische Praxis bereitet eine Qualitätsstudie vor und nutzt den Charlson Comorbidity Index, um ihre Patientenkohorte zu beschreiben. Patienten mit Herzinsuffizienz, Diabetes und chronischer Nierenerkrankung erhalten einen CCI-Score von 5 oder höher; dies zeigt der KV, dass der überdurchschnittliche Ressourcenaufwand der Praxis durch die Patientenmorbidität begründet ist.

Quellen

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