Kompetenzbasierte Weiterbildung beschreibt einen Ansatz in der ärztlichen Ausbildung, bei dem der Erwerb definierter klinischer Kompetenzen und nicht allein die Ableistung von Mindestzeiten den Fortschritt und Abschluss der Weiterbildung bestimmt. Die (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer (MWBO 2018) legte diesen Paradigmenwechsel bundesweit fest: Anstelle reiner Zeitvorgaben stehen nun Richtzahlen für Eingriffe und Verfahren sowie der Nachweis übergeordneter Kompetenzen über das digitale Logbuch.

Bedeutung für Ärzte

Für Ärzte in der Facharztweiterbildung bedeutet der Wandel, dass sie ihre Kompetenzen aktiv dokumentieren und im Beurteilungsgespräch mit dem Weiterbildungsbefugten reflektieren müssen. Das Logbuch, heute vielfach als digitale App geführt, erfasst Eingriffszahlen, Supervisionsvermerke und Kompetenzstufen. Bei einer durchschnittlichen Weiterbildungsdauer von fünf Jahren in der Inneren Medizin sind etwa 100 Stunden strukturierte Weiterbildungsgespräche vorgesehen. Wer die Richtzahlen schneller erbringt, kann theoretisch früher zur Facharztprüfung zugelassen werden. Ärzteversichert weist darauf hin, dass Weiterbildungszeiten und Wechsel des Weiterbildungsorts versicherungsrelevante Ereignisse darstellen können, insbesondere für die BU-Absicherung.

Abgrenzung

Kompetenzbasierte Weiterbildung unterscheidet sich von der rein zeitbasierten Weiterbildung, bei der es ausreichte, eine Mindestanzahl von Monaten in einer anerkannten Weiterbildungsstätte tätig gewesen zu sein, ohne konkrete Leistungsnachweise zu erbringen. Das Continuing Medical Education (CME), also die Pflichtfortbildung nach Facharztanerkennung, ist davon zu trennen; es dient der Aktualisierung des Wissens im Beruf, nicht dem erstmaligen Erwerb einer Facharztqualifikation.

Beispiel

Eine Assistenzärztin in der Gynäkologie dokumentiert in ihrem digitalen Logbuch, dass sie in den ersten zwei Jahren 120 geburtshilfliche Eingriffe unter Supervision durchgeführt hat und die Kompetenzstufe 2 für Kaiserschnitte erreicht hat. Auf Basis dieser Nachweise entscheidet die Weiterbildungsbefugte, ob die Rotation in die nächste Abteilung beginnen kann.

Quellen

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