Das Liquiditätsrisiko bezeichnet in zweierlei Hinsicht eine finanzielle Gefahr: erstens das Risiko, dass ein Unternehmen oder eine Privatperson fällige Zahlungsverpflichtungen nicht rechtzeitig oder nicht vollständig erfüllen kann (Illiquidität); zweitens das Marktliquiditätsrisiko bei Kapitalanlagen, wonach ein Wertpapier oder eine Anlage nicht zeitnah zum gewünschten Preis veräußert werden kann, weil kein ausreichender Markt vorhanden ist.

Bedeutung für Ärzte

Für Ärzte als Praxisinhaber entsteht Liquiditätsrisiko vor allem durch den Quartalsversatz der KV-Honorare: Laufende Ausgaben (MFA-Gehälter, Miete, Leasingraten) fallen monatlich an, während die Haupteinnahmen nur vierteljährlich eintreffen. Ein schlechtes Quartal oder eine Prüfungsrückforderung kann die Liquidität belasten. Als Kapitalanleger tragen Ärzte Liquiditätsrisiko z. B. bei Investments in geschlossene Fonds oder Privatmarktanlagen. Ärzteversichert empfiehlt, Liquiditätsrisiken durch eine ausreichende Reserve und liquide Anlageformen zu begrenzen.

Abgrenzung

Das Liquiditätsrisiko unterscheidet sich vom Insolvenzrisiko (dauerhafter Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung) und vom Marktpreisrisiko (Kursschwankungen). Es ist eine vorübergehende Krise der Zahlungsfähigkeit, die nicht notwendigerweise auf eine schlechte Ertragslage hinweist.

Beispiel

Eine Praxis investiert in eine neue Einrichtung und hat dafür ihre Liquiditätsreserve aufgebraucht. Im nächsten Quartal werden die Abrechnungsergebnisse durch eine Wirtschaftlichkeitsprüfung gesenkt. Die Praxis hat Schwierigkeiten, die MFA-Gehälter pünktlich zu zahlen. Dies ist ein klassischer Fall von Liquiditätsrisiko, das durch ausreichende Rücklagen hätte vermieden werden können.

Quellen

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