Die Mischkalkulation im medizinischen Kontext bezeichnet die Strategie, verschiedene Patientengruppen und Leistungen so zu kombinieren, dass weniger rentable oder defizitäre Bereiche durch profitablere Bereiche quersubventioniert werden. Im Praxisbetrieb bedeutet dies, dass GKV-Leistungen, die unter den Selbstkosten vergütet werden, durch privatärztliche Einnahmen oder IGeL-Leistungen kompensiert werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Kombination verschiedener Patientengruppen und Leistungen zur Ertragsoptimierung
- GKV-Verlustbringer werden durch Privateinnahmen und Selbstzahler-Leistungen kompensiert
- Voraussetzung für wirtschaftlich tragfähige Praxisführung in vielen Fachgebieten
Mischkalkulation im Kontext der Arztpraxis
Die Mischkalkulation ist ein strukturelles Merkmal der deutschen Arztpraxis. Das EBM-System vergütet viele Leistungen unterhalb der tatsächlichen Kosten, insbesondere bei beratungsintensiven Leistungen. Gleichzeitig können privatärztliche Leistungen zu deutlich höheren Sätzen nach GOÄ abgerechnet werden. Praxen, die einen hohen Privatanteil haben, können diese Quersubventionierung effektiv nutzen.
Die individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) ist ein wichtiges Instrument der Mischkalkulation. IGeL werden von Patienten privat bezahlt und können nach GOÄ abgerechnet werden. Der IGeL-Monitor der Krankenkassen bewertet den medizinischen Nutzen von IGeL-Leistungen kritisch, weshalb Praxen bei der Empfehlung von IGeL auf eine evidenzbasierte Auswahl achten sollten, um Interessenkonflikt-Vorwürfe zu vermeiden.
Bei der Praxisgründung und Businessplanung sollte die Mischkalkulation realistisch eingeschätzt werden. Viele Businesspläne für Arztpraxen gehen von einem optimistischen Privatanteil aus, der im ersten Jahr oft nicht erreicht wird. Ein Berater mit Praxiserfahrung kann helfen, realistische Annahmen zu treffen und die Anlauffinanzierung ausreichend zu dimensionieren.
Was Ärzte wissen müssen
Ärzteversichert berücksichtigt die Mischkalkulation bei der Beratung zu Praxisversicherungen und Altersvorsorge und hilft, den Versicherungsschutz an die wirtschaftliche Realität der Praxis anzupassen.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Praxiskosten und Honorar
- Bundesärztekammer – Arztpraxis und Wirtschaftlichkeit
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
Persönliche Beratung zu diesem Thema?
Kostenfreie Erstberatung anfragen →