Das Praktische Jahr (PJ) bezeichnet den letzten Studienabschnitt im Medizinstudium nach der Approbationsordnung für Ärzte (ÄAppO), der vor dem Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (Staatsexamen) absolviert werden muss und in dem Studierende unter Aufsicht praktische klinische Erfahrungen sammeln. Es umfasst drei Tertiale von je 16 Wochen in den Pflichtbereichen Innere Medizin und Chirurgie sowie einem frei wählbaren dritten Tertial.
Bedeutung für Ärzte
PJ-Studierende sind keine Arbeitnehmer, sondern Studenten in einem besonderen Ausbildungsverhältnis; die Universitätsklinika und Akademischen Lehrkrankenhäuser zahlen eine Aufwandsentschädigung, die je nach Bundesland und Einrichtung zwischen 400 und 1.000 Euro monatlich beträgt, aber kein Gehalt darstellt. Sozialversicherungsrechtlich bleiben PJ-Studierende in der studentischen Krankenversicherung; wer älter als 25 Jahre ist oder die Einkommensgrenze überschreitet, muss sich selbst in der GKV oder PKV versichern. Da eine Berufsunfähigkeitsversicherung im PJ zu günstigen Konditionen abgeschlossen werden kann (kein akademischer Beruf beeinflußt die Einstufung noch), empfiehlt Ärzteversichert den Abschluss einer BU bereits im PJ oder Studium; spätere Gesundheitsprüfungen werden strenger. Für die Auswahl des Wahlfachtertials ist die spätere Fachrichtung entscheidend; erfahrungsgemäß verbessert ein PJ im späteren Wunschfach die Chancen auf einen begehrten Assistenzarztstartplatz.
Abgrenzung
Das Praktische Jahr ist vom Klinischen Abschnitt des Studiums (3. bis 5. Studienjahr), von der Famulatur (Pflichtpraktikum während des Studiums) und vom Assistenzarzt (nach Approbation und Staatsexamen) zu unterscheiden. Das PJ schließt mit dem Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (mündlich-praktische Prüfung) ab.
Beispiel
Eine Medizinstudentin absolviert ihr erstes Tertial Innere Medizin in einem Universitätsklinikum, das zweite Tertial Chirurgie in einem Akademischen Lehrkrankenhaus und wählt als drittes Tertial Gynäkologie, in der sie nach dem Staatsexamen ihre Facharztweiterbildung beginnen möchte.
Quellen
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