Die Telematikinfrastruktur (TI) ist die von der Gesellschaft für Telematik (gematik) betriebene sichere digitale Kommunikationsplattform des deutschen Gesundheitswesens, die Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und Pflegeeinrichtungen miteinander vernetzt. Sie ermöglicht Anwendungen wie die elektronische Gesundheitskarte (eGK), den elektronischen Arztbrief (KIM), das elektronische Rezept (eRezept) und ab 2025 die elektronische Patientenakte (ePA).
Bedeutung für Ärzte
Vertragsärzte sind gesetzlich verpflichtet, an die TI angeschlossen zu sein (§ 291 SGB V). Wer den Anschluss verweigert, riskiert Honorarabzüge von 1 Prozent der Gesamtvergütung. Die Betriebskosten für den TI-Anschluss (Konnektor, VPN-Zugangsdienst, Software) werden von der KV pauschal bezuschusst; der verbleibende Eigenanteil hängt von der Praxisgröße ab und liegt typischerweise bei 200 bis 600 Euro jährlich. Für Datenschutz und IT-Sicherheit trägt der Praxisinhaber als Verantwortlicher nach DSGVO die Verantwortung; zertifizierte TI-Komponenten müssen gemäß gematik-Spezifikationen eingesetzt werden. Ärzteversichert empfiehlt, bei TI-bezogenen Datenpannen unverzüglich die Datenschutzbehörde zu informieren, da eine Meldepflicht innerhalb von 72 Stunden besteht.
Abgrenzung
Die TI ist nicht dasselbe wie das Internet: Sie ist ein geschlossenes, hochgesichertes Netzwerk mit eigenen Identitätsnachweisen (Heilberufsausweis, SMC-B-Karte). Eine reguläre Internet-Praxishomepage betreibt der Arzt außerhalb der TI.
Beispiel
Eine Allgemeinmedizinerin schließt ihre Praxis an die TI an, installiert einen gematik-zertifizierten Konnektor und erhält von der KV eine Einmalzahlung von 900 Euro sowie eine monatliche Betriebskostenpauschale von 23 Euro. Damit kann sie das eRezept und den elektronischen Arztbrief nutzen.
Quellen
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