Working Capital bezeichnet die Differenz aus dem kurzfristigen Umlaufvermögen (Kassenbestand, Forderungen, Vorräte) und den kurzfristigen Verbindlichkeiten einer Praxis oder eines Unternehmens. Der Begriff stammt aus der angloamerikanischen Betriebswirtschaft und wird im deutschen Sprachraum auch als Nettoumlaufvermögen bezeichnet. Ein positiver Wert signalisiert, dass ausreichend kurzfristig verfügbare Mittel vorhanden sind, um laufende Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen.
Bedeutung für Ärzte
In einer Arztpraxis mit GKV-Abrechnung entstehen typischerweise Zahlungsverzögerungen von 4 bis 6 Wochen zwischen erbrachter Leistung und Honorareingang. Gleichzeitig fallen Personalkosten, Miete und Materialkosten monatlich an. Ein gut gesteuertes Working Capital stellt sicher, dass die Praxis jederzeit zahlungsfähig bleibt. Praxisinhaber, die ihr Working Capital kennen und aktiv steuern, vermeiden teure Kontokorrentkredite und können Investitionen gezielt planen. Ärzteversichert rät, Working Capital regelmäßig im Rahmen einer monatlichen Liquiditätsübersicht zu analysieren.
Abgrenzung
Working Capital ist nicht identisch mit Liquidität. Liquidität beschreibt die sofortige Zahlungsfähigkeit, während Working Capital ein struktureller Kennwert ist. Auch vom Eigenkapital ist Working Capital abzugrenzen: Eigenkapital umfasst alle langfristigen Eigenmittel der Praxis, Working Capital hingegen nur kurzfristige Positionen.
Beispiel
Eine Hausarztpraxis hat Honorarforderungen von 80.000 Euro gegenüber der KV sowie Barmittel von 20.000 Euro. Den kurzfristigen Verbindlichkeiten (Gehälter, Miete, Lieferanten) in Höhe von 60.000 Euro steht somit ein Working Capital von 40.000 Euro gegenüber – die Praxis ist kurzfristig liquide.
Quellen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung
- Bundesärztekammer
- GDV – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
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