Assistenzärzte stehen in den ersten Berufsjahren vor einer paradoxen Situation: Das Einkommen ist bereits höher als in vielen anderen Berufen, aber die Weiterbildungszeit bringt hohe zeitliche Belastung und oft noch Restschulden aus dem Studium mit. Altersvorsorge erscheint vielen in dieser Phase als Luxusthema. Tatsächlich ist gerade der frühe Start der wirksamste Hebel.
Das Wichtigste in Kürze
- Versorgungswerk läuft automatisch: Als Pflichtmitglied zahlen Sie bereits in die berufsständische Versorgung ein. Diese Beiträge bilden die Basis Ihrer Altersvorsorge.
- Zinseszinseffekt nutzen: 200 EUR monatlich ab 28 Jahren ergeben bei durchschnittlicher Rendite deutlich mehr als 400 EUR ab 38 Jahren.
- Kein Maximalprodukt nötig: In der Assistenzarztzeit reichen einfache, flexible Sparformen wie ETF-Sparpläne oder flexible Rentenversicherungen.
Typische Einkommenssituation
Assistenzärzte verdienen nach TV-Ärzte/VKA im ersten Weiterbildungsjahr brutto rund 5.100–5.400 EUR monatlich (Stand 2026). Nach Abzug von Steuern, Sozialabgaben und Versorgungswerk bleiben netto etwa 3.200–3.600 EUR. Davon gehen Miete, Lebenshaltung und ggf. Studienkredite ab.
Realistisch bleiben für die private Vorsorge monatlich 150–300 EUR. Das klingt wenig, ist aber über 35–40 Jahre bis zur Rente ein erheblicher Betrag.
Handlungsschritte
Die ersten drei Schritte für die Altersvorsorge als Assistenzarzt sollten sein: Erstens, die Versorgungswerk-Bescheinigung prüfen und verstehen, welche Rente daraus zu erwarten ist. Zweitens, die Versorgungslücke grob beziffern, also den Unterschied zwischen erwarteter Versorgungswerk-Rente und gewünschtem Ruhestandseinkommen. Drittens, einen einfachen ETF-Sparplan mit 150–200 EUR monatlich einrichten, der flexibel anpassbar ist.
Ärzteversichert begleitet Assistenzärzte in dieser Phase mit einer Bedarfsanalyse, die bewusst auf komplexe Finanzprodukte verzichtet und stattdessen auf flexible, kosteneffiziente Bausteine setzt.
Häufige Fehler in dieser Phase
Der häufigste Fehler ist das vollständige Aufschieben: „Wenn ich Facharzt bin, kümmere ich mich darum." Zehn verlorene Anlagejahre sind durch höhere Beiträge kaum kompensierbar. Ein zweiter Fehler ist der Abschluss komplexer, provisionsstarker Produkte (fondsgebundene Rentenversicherungen mit hohen Abschlusskosten), die in der Weiterbildungszeit nicht nötig sind. Ein dritter Fehler ist die Vernachlässigung der BU-Absicherung zugunsten der Altersvorsorge. Beides ist wichtig, aber die BU hat in den ersten Berufsjahren Priorität.
Fazit
Altersvorsorge als Assistenzarzt bedeutet nicht, große Summen zu investieren. Es bedeutet, den Zinseszinseffekt zu nutzen, die Versorgungslücke zu kennen und einen einfachen, flexiblen Sparplan zu starten. Komplexe Produkte können warten, bis das Einkommen als Facharzt stabil ist.
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Quellen und weiterführende Informationen
Die folgenden Links führen zu offiziellen bzw. anerkannten Quellen und zu unserem Beratungsangebot für Mediziner.
- BaFin – Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
- GDV – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
- GKV-Spitzenverband – Gesetzliche Krankenversicherung
- Arbeitsgemeinschaft der Versorgungswerke – berufsständische Versorgung
- BMF – Bundesministerium der Finanzen (Steuern, Rente)
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