Ein Chefarzt, der nach Jahren in der Klinik den Sprung in die Niederlassung wagt, bringt enormes medizinisches und führungstechnisches Know-how mit. Die unternehmerischen Herausforderungen einer Praxisgründung sind jedoch fundamental anders als die der klinischen Tätigkeit und erfordern eine sorgfältige Vorbereitung.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Weg von der Klinik zur Praxis dauert in der Regel zwölf bis achtzehn Monate und erfordert frühzeitige Planung der Zulassung, Finanzierung und Raumsuche
- Das bisherige Gehalt eines Chefarztes von oft 200.000 bis 300.000 Euro brutto fällt in den ersten Niederlassungsjahren möglicherweise deutlich niedriger aus
- Alle Versicherungen müssen von angestellt auf selbständig umgestellt werden, was umfangreiche Anpassungen erfordert
Existenzgründung in der Phase als Chefarzt
Als Chefarzt verfügt man über ein gefestigtes Netzwerk, fachliche Reputation und Führungserfahrung. Diese Faktoren sind beim Aufbau einer eigenen Praxis enorm hilfreich. Gleichzeitig bedeutet die Selbständigkeit den Verlust des Anstellungsschutzes, der betrieblichen Altersversorgung und des Liquidationsrechts. Eine realistische Finanzplanung sieht vor, dass in den ersten zwei bis drei Niederlassungsjahren ein Unternehmerlohn von 80.000 bis 120.000 Euro netto angestrebt werden kann, abhängig von Fachgebiet und Region.
Die Niederlassungszulassung erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung und setzt eine Approbation, ggf. eine Facharzturkunde und die Eintragung in das Arztregister voraus. Bei einem Neueintritt in eine Großstadt kann es aufgrund von Bedarfszulassungsplanung zu Wartezeiten kommen. Wer bereits eine Praxis kauft oder übernimmt, kann diese Wartezeiten umgehen, muss aber einen Kaufpreis von oft 100.000 bis 500.000 Euro finanzieren.
Worauf Chefärzte bei der Existenzgründung besonders achten sollten
Der wichtigste Schritt ist die Umstellung aller Versicherungen von angestellt auf selbständig. Die betriebliche Altersversorgung des Krankenhauses entfällt, die Berufshaftpflicht muss von der Klinikdeckung auf eine eigene Police umgestellt werden, und die Praxisversicherungen müssen neu abgeschlossen werden. Ärzteversichert begleitet Chefärzte dabei, diesen komplexen Übergang ohne Deckungslücken zu gestalten. Besonders wichtig ist die Liquiditätsreserve: Mindestens sechs Monatsbetriebskosten sollten als Puffer bereitstehen.
Typische Fehler in dieser Karrierephase
Viele Chefärzte unterschätzen die Zeit bis zum Break-even einer neuen Praxis. Bei einer Neugründung, nicht einer Übernahme, dauert es oft zwei bis drei Jahre, bis die Praxis profitabel arbeitet. Ein weiterer Fehler ist der fehlende Business-Plan: Banken vergeben Praxiskredite nur bei solider Planung, und viele Gründer erkennen erst in der Vorbereitung des Business-Plans, dass ihre Kalkulation zu optimistisch war.
Fazit
Der Übergang vom Chefarzt zum Praxisinhaber ist einer der anspruchsvollsten Karriereschritte in der Medizin, der mit der richtigen Vorbereitung zu einem der lohnendsten werden kann. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Niederlassung und Zulassung
- Bundesärztekammer – Existenzgründung
- GDV – Praxisversicherungen
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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