Als Chefarzt ist die Gehaltsstruktur deutlich komplexer als in niedrigeren Karrierestufen. Wer die verschiedenen Vergütungsbestandteile kennt und versteht, kann gezielt verhandeln und sein Einkommen optimieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Chefarzteinkommen setzt sich aus Grundgehalt, Chefarztliquidation und ggf. Bettenzulagen zusammen
  • Das Liquidationsrecht für Privatpatienten kann das Einkommen erheblich erhöhen, ist aber verhandelbar
  • Die Ablöse des Liquidationsrechts gegen eine Erfolgsbeteiligung ist in vielen Kliniken gängige Praxis geworden

Gehaltsverhandlung in der Phase Chefarzt

Ein Chefarzt in einem mittelgroßen Krankenhaus verdient 2025 typischerweise 180.000 bis 400.000 Euro brutto jährlich, je nach Fachrichtung, Klinikgröße und Vergütungsmodell. Das Grundgehalt liegt meist zwischen 120.000 und 200.000 Euro, ergänzt durch Liquidationseinnahmen aus der Behandlung von Privatpatienten.

Das Liquidationsrecht erlaubt dem Chefarzt, privatärztliche Leistungen direkt über die GOÄ abzurechnen. Bei einem aktiven operativen Fach wie Chirurgie oder Orthopädie kann das Liquidationseinkommen das Grundgehalt übertreffen. Es ist jedoch verhandelbar: Manche Kliniken bieten anstelle des direkten Liquidationsrechts eine leistungsbezogene Beteiligung an den Privateinnahmen der Klinik.

Beim Wechsel in eine neue Stelle sollte der Chefarzt folgende Punkte prüfen und verhandeln: Höhe des Grundgehalts, Regelung des Liquidationsrechts, Bereitschaftsdienstzulagen, Fortbildungsbudget (typischerweise 3.000 bis 10.000 Euro jährlich), Dienstwagen und Altersvorsorgebeiträge des Arbeitgebers. Wer nur auf das Grundgehalt schaut und den Rest offen lässt, verschenkt erhebliche Einkommenspotenziale.

Worauf Chefärzte besonders achten sollten

Der Chefarztvertrag ist kein Standardvertrag, sondern ein individuell ausgehandeltes Dokument. Ärzteversichert empfiehlt, neben dem Vertragsinhalt auch die Versicherungsleistungen des neuen Arbeitgebers zu prüfen, insbesondere D&O-Schutz, Berufshaftpflicht und betriebliche Altersvorsorge, da diese Leistungen oft den Unterschied zwischen zwei vergleichbaren Angeboten ausmachen.

Typische Fehler in dieser Karrierephase

Ein häufiger Fehler ist das Akzeptieren eines angebotenen Vertrags ohne Gegenvorschlag. Selbst wenn das Angebot gut ist, hat man als Chefarzt in der Regel Verhandlungsspielraum.

Ebenfalls problematisch: das Unterschätzen der steuerlichen Auswirkungen des Liquidationsrechts. Liquidationseinnahmen erhöhen das steuerpflichtige Einkommen erheblich und sollten mit einem Steuerberater geplant werden.

Fazit

Die Gehaltsverhandlung als Chefarzt ist vielschichtig, aber für gut vorbereitete Kandidaten ein wichtiges Instrument zur Einkommensoptimierung. Wer alle Bestandteile kennt, verhandelt auf Augenhöhe. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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