Mit der Niederlassung entscheiden Ärzte selbst, wie viel sie verdienen: Die Kombination aus Kassenhonoraren, Privatleistungen und IGeLn beeinflusst das Gesamteinkommen erheblich. Eine durchdachte Honorarstrategie ist für den wirtschaftlichen Erfolg der Praxis entscheidend.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Kassenhonorar ist durch Budgets und Regelleistungsvolumina (RLV) begrenzt, Überschreitungen werden abgestaffelt vergütet.
  • Privatärztliche Leistungen nach GOÄ bieten deutlich höhere Vergütung: Der 2,3-fache GOÄ-Satz ist der Regelfall, bis zum 3,5-fachen Satz ist eine Begründungspflicht.
  • Individuell erstattungsfähige Gesundheitsleistungen (IGeL) können das Praxiseinkommen um 10 bis 30 Prozent ergänzen, wenn sie transparent und korrekt angeboten werden.

Honorar-Optimierung beim Niederlassungsstart

Niedergelassene Kassenärzte erhalten ein Honorar über die Kassenärztliche Vereinigung. Die Höhe hängt von der Fallzahl, dem Regelleistungsvolumen und dem Jahreshonorarvolumen der KV ab. Für Hausärzte liegt das durchschnittliche Kassenhonorar bei etwa 45 bis 60 Euro je Patientenkontakt, für viele Fachärzte deutlich höher. Der Quartalsumsatz einer gut laufenden Hausarztpraxis liegt bei 120.000 bis 180.000 Euro.

Über das Kassenkontingent hinaus können Privatpatienten nach GOÄ abgerechnet werden. Bei einem Privatpatientenanteil von 20 Prozent mit durchschnittlichem Rechnungsbetrag von 200 Euro pro Quartal ergibt sich bei 300 Privatpatienten ein Privatumsatz von 60.000 Euro pro Quartal. Die Kombination aus Kassenumsatz und Privatumsatz bestimmt das Praxiseinkommen maßgeblich.

Für die Honoraroptimierung ist außerdem die vollständige Kodierung relevanter Diagnosen und Leistungen entscheidend: Ärzte, die nicht alle abrechenbaren Leistungen konsequent dokumentieren und kodieren, verschenken Honorar. Ein praxisinterne Abrechnungsschulung oder die Überprüfung durch einen spezialisierten Berater kann regelmäßig erhebliche Mehrerträge aufdecken.

Worauf Niedergelassene zum Start besonders achten sollten

Das Abrechnungsrecht ist komplex und wird von der KV regelmäßig geprüft. Falsche Abrechnungen können zu Honorarrückforderungen führen. Ärzteversichert empfiehlt, neben der Praxisgründungsberatung auch die versicherungsrechtlichen Absicherungen für Forderungsausfälle und Abrechnungsfehler zu prüfen.

Typische Fehler in dieser Karrierephase

Ein häufiger Fehler ist die Unterschätzung des RLV und das Überschreiten des Budgets ohne Kenntnis der abgestaffelten Vergütung, was den wirtschaftlichen Plan der Praxis stört. Ein zweiter Fehler ist das Unterlassen einer systematischen IGeL-Strategie: Viele Patienten sind bereit, für bestimmte Zusatzleistungen zu zahlen, wenn diese klar kommuniziert werden.

Fazit

Eine professionelle Honorarstrategie ist ein zentraler Erfolgsfaktor für jede Praxis. Wer von Beginn an systematisch plant, schafft eine stabile wirtschaftliche Basis. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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