Wer seit Jahren eine gut laufende Praxis betreibt, neigt dazu, Rücklagen zugunsten von Investitionen oder Konsum zu vernachlässigen. Gerade aber etablierte Praxisinhaber sind mit einem hohen Betriebskostenrisiko konfrontiert, das einen gut dimensionierten Notgroschen unabdingbar macht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für eine niedergelassene Praxis mit 300.000 bis 500.000 Euro Jahresumsatz sollten mindestens drei Monatsumsätze als liquide Reserve vorgehalten werden
  • Private und betriebliche Notreserve müssen klar getrennt geführt werden
  • Ein Tagesgeldkonto mit sofortigem Zugriff eignet sich besser als gebundene Sparprodukte für die Liquiditätsreserve

Notgroschen in der Phase als etablierter Praxisinhaber

Als etablierter Praxisinhaber mit fünf oder mehr Jahren Niederlassung haben Sie in der Regel eine stabile Patientenbasis und planbare Einnahmen. Dennoch ist das finanzielle Risiko durch Praxisbetrieb erheblich: Geräteausfälle, krankheitsbedingte Praxisschließungen oder Abrechnungskorrekturen durch KV können kurzfristig Liquiditätslücken reißen. Ein Gerät für bildgebende Diagnostik kann je nach Typ 50.000 bis 200.000 Euro kosten, wenn es ungeplant ausfällt und ein Leasingvertrag beendet ist.

Die empfohlene Faustformel für Praxisinhaber lautet: drei Monatsumsätze als Betriebspufferreserve, getrennt von privaten Rücklagen. Bei einem Praxisumsatz von 400.000 Euro pro Jahr entspricht das rund 100.000 Euro, die auf einem gut verzinsten Tagesgeld- oder Festgeldkonto mit kurzer Bindungsfrist bereitstehen sollten. Für die private Seite gilt eine separate Reserve von drei bis sechs Netto-Privatentnahmen.

Worauf etablierte Praxisinhaber besonders achten sollten

Häufig wird der Notgroschen durch Praxiserweiterungen oder private Bauvorhaben aufgezehrt, ohne dass er danach wieder aufgebaut wird. Ärzteversichert empfiehlt, eine automatische Sparregel einzurichten: Monatlich ein fixer Betrag, etwa fünf Prozent der Privatentnahme, wird direkt auf das Reservekonto überwiesen. Zudem sollte geprüft werden, ob eine bestehende Praxisunterbrechungsversicherung die tatsächlichen laufenden Kosten für mindestens sechs Monate abdeckt.

Typische Fehler in dieser Karrierephase

Ein verbreiteter Fehler ist das Gleichsetzen von Praxiswert mit Liquidität: Eine profitable Praxis kann auf dem Papier viel wert sein, aber wenig freie Liquidität haben. Ein weiterer Fehler ist das Fehlen klarer Trennung zwischen Betriebs- und Privatfinanzen, was im Notfall zu teuren Kreditaufnahmen führt.

Fazit

Ein gut dimensionierter Notgroschen ist für etablierte Praxisinhaber keine überflüssige Vorsicht, sondern betriebswirtschaftliche Grundlage für unternehmerische Handlungsfähigkeit. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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