Im Ruhestand verändert sich die Rolle der liquiden Reserve: Statt als Puffer für Einkommensschwankungen dient sie nun als Schutz gegen unvorhergesehene Ausgaben und als Planungspuffer für größere Anschaffungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Ruhestand empfiehlt sich ein Notgroschen von sechs bis zwölf Monatseinkommen auf dem Tagesgeldkonto
  • Praxisabgabe und Eintritt in den Ruhestand sollten keine Liquiditätslücken hinterlassen
  • Ein separates Liquiditätskissen schützt vor Zwangsverkäufen von Wertpapieren in schlechten Marktphasen

Notgroschen in der Phase Praxisabgabe und Ruhestand

Beim Übergang von der aktiven Praxistätigkeit in den Ruhestand verändert sich die finanzielle Struktur grundlegend. Statt regelmäßiger Praxiseinnahmen kommen nun Versorgungswerk-Rente, eventuelle private Rentenversicherungen und Kapitalerträge. Dieser Übergang ist nicht immer nahtlos: Zwischen Praxisabgabe und dem Einsetzen der Versorgungswerk-Rente kann eine Lücke entstehen, die überbrückt werden muss.

Ein Notgroschen von sechs bis zwölf Monatseinkommen auf einem Tagesgeldkonto oder kurzfristigen Festgeld ist für Ruheständler besonders wichtig. Als Richtwert kann das monatliche Ausgabenbudget im Ruhestand dienen: Bei 4.000 Euro monatlichen Ausgaben sollten 24.000 bis 48.000 Euro sofort verfügbar sein. Dieses Geld ist keine Kapitalanlage, sondern ein Sicherheitspolster.

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist das sogenannte Sequenz-Risiko bei Kapitalanlagen: Wer im Ruhestand aus einem Wertpapierdepot lebt und in einem Börsenjahr Verluste hinnehmen muss, gleichzeitig aber Geld entnimmt, kann das Depot dauerhaft schädigen. Ein ausreichend großes Liquiditätskissen verhindert, dass Aktien oder ETFs in schlechten Marktphasen zwangsweise verkauft werden müssen.

Für die Praxisabgabe selbst sollte eine Übergangsliquidität eingeplant werden: Die abschließende Steuerveranlagung für das letzte Praxisjahr kann zu einer hohen Nachzahlung führen. Erfahrungsgemäß sollten Praxisinhaber im Jahr der Abgabe eine Steuerrücklage von 20 bis 30 Prozent des Jahresgewinns bereithalten.

Worauf Ärzte bei Praxisabgabe und Ruhestand besonders achten sollten

Planen Sie den Übergang in den Ruhestand mit einem vollständigen Cashflow-Plan, der Einnahmen, Ausgaben und Steuern für die ersten fünf Jahre abbildet. Ärzteversichert empfiehlt, die Liquiditätsplanung mit einem auf Ärzte spezialisierten Finanzberater abzustimmen und die Versicherungssituation im Ruhestand zu überprüfen.

Typische Fehler in dieser Karrierephase

Viele Praxisinhaber nehmen einen zu geringen Notgroschen in den Ruhestand mit, weil sie den laufenden Kapitalbedarf unterschätzen. Ein weiterer Fehler ist, die gesamte Liquiditätsreserve in niedrig verzinsten Konten zu parken, statt einen Teil über Tagesgeld und kurzfristige Anleihen aufzuteilen.

Fazit

Ein gut dimensionierter Notgroschen schützt im Ruhestand vor finanziellen Engpässen und ermöglicht eine strategische Kapitalanlage ohne Zwangsliquidationen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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