Als etablierter Praxisinhaber könnte die Übernahme einer weiteren Praxis oder eines MVZ-Anteils eine strategische Wachstumsoption sein. Die Übernahme einer bestehenden Praxis bietet gegenüber der Neugründung erhebliche Vorteile: bestehende Patienten, Mitarbeiter und ein etabliertes Netzwerk.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Kaufpreis einer Arztpraxis liegt typischerweise bei dem 0,8- bis 1,5-fachen des Jahresumsatzes, bei spezialisierten Praxen auch höher.
  • Eine Due Diligence vor der Übernahme ist unverzichtbar: Honorarsituation, Patientenstruktur, Personalverträge und Verbindlichkeiten müssen geprüft werden.
  • Die kassenärztliche Zulassung des Vorgängers ist nicht automatisch übertragbar und muss im Rahmen der Bedarfsplanung neu beantragt oder übergeben werden.

Praxisübernahme in der Phase Etablierter Praxisinhaber

Für einen etablierten Praxisinhaber ist die Übernahme einer weiteren Praxis ein erheblicher unternehmerischer Schritt. Die Vorteile sind klar: Sofortige Umsatzstärke ohne Anlaufphase, bestehender Patientenstamm und qualifiziertes Personal. Die Risiken liegen in unbekannten Verbindlichkeiten, Patientenabwanderung nach dem Inhaberwechsel und versteckten Qualitätsproblemen.

Die Due Diligence vor einer Praxisübernahme sollte folgende Punkte umfassen: Überprüfung der Honorarabrechnungen der letzten 3 Jahre, Analyse der Patientenstruktur (Alter, Kassenzugehörigkeit, Bindung), Prüfung aller Mitarbeiterverträge auf Kündigungsschutz und Lohnhöhe, Kontrolle der Gerätewartungsverträge und Leasing-Verbindlichkeiten sowie eine Bewertung der Raummietsituation.

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist die Patientenbindung nach dem Inhaberwechsel: Studien zeigen, dass bei einem Arzt- oder Praxiswechsel 15 bis 30 Prozent der Patienten abwandern. Dieser Rückgang ist beim Kaufpreis zu berücksichtigen.

Worauf etablierte Praxisinhaber besonders achten sollten

Mit der Übernahme einer weiteren Praxis erhöhen sich alle Haftungsrisiken. Ärzteversichert empfiehlt, sofort nach Übernahme alle Versicherungsverträge der übernommenen Praxis zu überprüfen und in das eigene Versicherungsportfolio zu integrieren: Berufshaftpflicht, Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung und Betriebsunterbrechungsversicherung müssen nahtlos auf den neuen Inhaber übergehen.

Typische Fehler in dieser Karrierephase

Ein verbreiteter Fehler ist die Überzahlung bei der Praxisübernahme wegen fehlendem Preiswissen: Wer den Marktpreis nicht kennt, zahlt zu viel. Ein zweiter Fehler ist das Übernehmen von Praxisverbindlichkeiten ohne genaue Kenntnis des Schuldenvolumens, was die tatsächlichen Übernahmekosten erheblich erhöhen kann.

Fazit

Die Praxisübernahme als etablierter Inhaber kann das Portfolio sinnvoll ergänzen, erfordert aber eine gründliche Prüfung und den richtigen Versicherungsrahmen von Tag eins. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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