Die Übernahme einer bestehenden Praxis ist für viele Fachärzte der direkteste Weg in die Selbständigkeit, weil ein funktionierender Patientenstamm und Infrastruktur bereits vorhanden sind. Trotzdem birgt die Übernahme erhebliche finanzielle und rechtliche Risiken, die sorgfältig geprüft werden müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Kaufpreis für eine gut laufende Facharztpraxis liegt je nach Fachgebiet und Region bei 150.000 bis 400.000 Euro
  • Eine vollständige Due Diligence vor dem Kauf ist unverzichtbar, um versteckte Verbindlichkeiten oder Abrechnungsprobleme zu entdecken
  • Mit der Übergabe müssen alle Versicherungen auf den neuen Inhaber umgestellt werden

Praxisübernahme in der Phase als Facharzt

Fachärzte entscheiden sich häufig zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr für die Übernahme einer Praxis, wenn die Weiterbildung abgeschlossen ist und ausreichend klinische Erfahrung vorhanden ist. Die Suche nach einer geeigneten Praxis kann über die Kassenärztliche Vereinigung, Kollegennetzwerke oder spezialisierte Praxisbörsen erfolgen. Wichtig ist die Verhandlung eines angemessenen Kaufpreises: Der ideelle Praxiswert basiert auf dem Umsatz der letzten drei Jahre, typischerweise entspricht er einem halben bis einem Jahresumsatz.

Die Finanzierung erfolgt in der Regel über einen Bankkredit, wobei Banken bei der Praxisfinanzierung für Ärzte meist günstige Konditionen anbieten. Typische Laufzeiten betragen zehn bis fünfzehn Jahre bei Zinssätzen, die aktuell im Bereich von drei bis vier Prozent liegen. Ein Business-Plan und das Vorhandensein von zehn bis zwanzig Prozent Eigenkapital erhöhen die Chancen auf eine Finanzierungszusage erheblich.

Worauf Fachärzte bei der Praxisübernahme besonders achten sollten

Neben dem rechtlichen und steuerlichen Aspekt ist die Versicherungsseite kritisch. Ärzteversichert empfiehlt, mit dem Abschluss der eigenen Berufshaftpflicht spätestens zum Tag der Übergabe zu beginnen und explizit zu prüfen, ob Altforderungen aus der Zeit des Vorgängers über eine Nachhaftungsklausel abgesichert sind. Zudem muss die Praxisversicherung (Inventar, Betriebshaftpflicht, Gebäude falls relevant) vollständig auf den neuen Inhaber umgeschrieben werden.

Typische Fehler in dieser Karrierephase

Ein häufiger Fehler ist das Vertrauen auf die mündlichen Angaben des Abgebers zum Praxiswert, ohne unabhängige Bewertung. Erst eine externe Praxisbewertung durch einen Sachverständigen liefert eine verlässliche Grundlage für die Preisverhandlung. Ein weiterer Fehler ist das Versäumen der sogenannten Zulassungsübertragung: Diese muss ausdrücklich bei der KV beantragt werden, läuft nicht automatisch mit der Praxisübertragung.

Fazit

Die Praxisübernahme ist ein komplexer Prozess, der mit professioneller Unterstützung bei Recht, Steuer und Versicherung zuverlässig gelingt. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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