Die Praxisübernahme ist für viele Ärzte der erste Schritt in die Selbstständigkeit. Anders als bei einer Neugründung übernimmt man einen bestehenden Patientenstamm, laufende Verträge und oft auch ein eingespieltes Team. Das reduziert das Anlaufrisiko, schafft aber eigene Herausforderungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer Praxisübernahme kauft man in der Regel den Goodwill, das Inventar und die Vertragsarztzulassung
  • Der Kaufpreis sollte durch ein unabhängiges Wertgutachten validiert werden
  • Eine Übergangsphase mit dem Abgeber von drei bis zwölf Monaten erhöht die Patientenbindungsquote erheblich

Praxisübernahme in der Phase Niederlassungsstart

Der Markt für Praxisübernahmen ist regional sehr unterschiedlich. In Ballungsräumen mit gesperrten Planungsbereichen sind Nachfolger oft Mangelware, was die Preise treibt. In ländlichen Gebieten hingegen suchen Praxisinhaber aktiv nach Nachfolgern, manchmal mit erheblichen finanziellen Zuschüssen durch KVen oder Kommunen.

Der typische Kaufpreis setzt sich aus dem ideellen Wert (Goodwill) und dem materiellen Wert (Inventar, Geräte) zusammen. Der Goodwill entspricht häufig einem Vielfachen des Jahresüberschusses und liegt für Hausarztpraxen bei 50.000 bis 150.000 Euro, für Facharztpraxen je nach Spezialisierung deutlich höher. Hinzu kommen Geräte und Einrichtung, die zu Zeitwerten bewertet werden.

Die Finanzierung erfolgt über Praxiskredite, für die spezialisierte Banken wie die Deutsche Apotheker- und Ärztebank oder die Commerzbank Medizin Konditionen zwischen 3 und 5 Prozent anbieten. Ein Eigenkapitalanteil von mindestens 10 Prozent ist empfehlenswert.

Worauf Ärzte beim Niederlassungsstart besonders achten sollten

Beim Übergang in die Selbstständigkeit enden die Sozialleistungen des Anstellungsverhältnisses sofort. Krankentagegeld, Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Betriebsunterbrechungsversicherung müssen ab Tag eins der Selbstständigkeit vorhanden sein. Ärzteversichert begleitet Ärzte beim Niederlassungsstart mit einem strukturierten Versicherungspaket, das alle notwendigen Policen für die ersten Monate abdeckt.

Typische Fehler in dieser Karrierephase

Ein häufiger Fehler ist das Übernehmen von Praxisschulden ohne Due-Diligence-Prüfung. Laufende Leasingverträge, Mietbindungen oder Personalverpflichtungen können die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Übernahme erheblich belasten.

Ebenfalls kritisch: das Vernachlässigen der Mitarbeiterkommunikation. Ein Praxiswechsel verunsichert das vorhandene Personal. Wer nicht frühzeitig das Gespräch sucht, riskiert hohe Fluktuation in den ersten Monaten, was den Praxisbetrieb gefährdet.

Fazit

Die Praxisübernahme ist ein komplexes Projekt, das mit den richtigen Beratern und einer gründlichen Vorbereitung zum erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit wird. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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