Die Elternzeit bringt eine Unterbrechung der Beitragszahlungen in das ärztliche Versorgungswerk mit sich, was die spätere Rente spürbar senkt. Wer die entstehende Rentenlücke frühzeitig kennt und berechnet, kann gezielt gegensteuern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für die ersten 12 Lebensmonate des Kindes werden Kindererziehungszeiten in den meisten Versorgungswerken angerechnet, aber auf niedrigem Niveau.
  • Eine Rentenlücke von 500 Euro monatlich, die 30 Jahre lang besteht, summiert sich auf einen Gesamtfehlbetrag von 180.000 Euro.
  • Freiwillige Höherbeiträge in das Versorgungswerk oder zusätzliche private Vorsorge können die Lücke schließen.

Rentenlücke berechnen in der Phase Elternzeit

Ärzte sind in der Regel Mitglieder des berufsständischen Versorgungswerks ihrer Kammer, nicht der gesetzlichen Rentenversicherung. Die meisten Versorgungswerke rechnen Kindererziehungszeiten an, allerdings oft nur für das erste Lebensjahr des Kindes und auf Basis eines fiktiven Mindestbeitrags. Für jeden Monat ohne oder mit reduziertem Beitrag entsteht eine Anwartschaftslücke.

Rechenbeispiel: Ein Arzt zahlt normalerweise 1.200 Euro monatlich in das Versorgungswerk ein. Während 12 Monaten Elternzeit ohne Beitragszahlung fehlen 14.400 Euro. Bei einem angenommenen Rentenertragswert von 1 Euro Monatsrente pro 200 Euro eingezahltem Beitrag (dieser Faktor variiert je nach Werk) ergibt das eine dauerhafte Monatsrente von 72 Euro weniger. Über 20 Rentenjahre kumuliert sich dieser Fehlbetrag auf rund 17.280 Euro.

Für Ärzte mit mehreren Kindern oder längerem Erwerbsausfall addieren sich die Lücken. Es empfiehlt sich, beim eigenen Versorgungswerk eine individuelle Rentenauskunft zu beantragen, die auch die Auswirkung der Elternzeit simuliert. Diese Auskunft ist in der Regel kostenlos und zeigt die prognostizierte Rente unter verschiedenen Szenarien.

Worauf Ärzte in der Elternzeit besonders achten sollten

Neben dem Versorgungswerk sollten auch etwaige betriebliche Altersvorsorgen und private Vorsorgeverträge auf Beitragsfreistellungen geprüft werden: Bei einigen Produkten ruhen Beiträge automatisch bei Elternzeit, was die Leistung mindert. Ärzteversichert empfiehlt, vor der Elternzeit alle Vorsorgeverträge auf die Konsequenzen einer Beitragspause zu prüfen.

Typische Fehler in dieser Karrierephase

Ein verbreiteter Fehler ist das Aussetzen von Vorsorgebeiträgen ohne vorherige Kalkulation der langfristigen Folgen. Ein zweiter Fehler ist das Unterlassen freiwilliger Nachzahlungen in das Versorgungswerk nach Ende der Elternzeit, die von vielen Werken angeboten werden und Rentenlücken direkt schließen können.

Fazit

Wer in der Elternzeit die Rentenlücke berechnet und aktiv gegensteuert, legt den Grundstein für eine ausreichende Altersversorgung. Jeder Monat zählt. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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