Als angestellter Arzt in der Klinik hat man keinen Zugang zur Rürup-Rente ohne Weiteres, aber die Situation ist komplexer als sie scheint. Für Oberärzte mit Nebentätigkeiten oder Einkünften aus selbstständiger Arbeit kann die Rürup-Rente ein wertvolles Steuerinstrument sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Rürup-Rente ist grundsätzlich für alle Steuerpflichtigen in Deutschland abschließbar, nicht nur für Selbstständige
- Beiträge sind bis zu 29.344 Euro jährlich als Sonderausgaben steuerlich absetzbar (2025)
- Für Ärzte mit Nebeneinkünften aus GOÄ-Abrechnung, Gutachtertätigkeit oder Honorarpraxis ist die Rürup-Rente besonders interessant
Rürup-Rente in der Phase Oberarzt
Ein Oberarzt mit einem Bruttogehalt von 8.500 Euro monatlich zahlt bereits ins berufsständische Versorgungswerk ein. Die Rürup-Rente ist für ihn nur dann steuerlich sinnvoll, wenn er zusätzliche selbstständige Einkünfte hat, die eine höhere Steueroptimierung ermöglichen.
Wer als Oberarzt nebenberuflich Gutachten erstellt und dadurch 20.000 Euro jährlich erzielt, hat auf diese Einkünfte einen hohen Grenzsteuersatz von 40 bis 42 Prozent. Ein Rürup-Beitrag von 10.000 Euro würde die Steuerlast auf diese Einkünfte um bis zu 4.200 Euro senken. Das entspricht einer sofortigen Rendite von 42 Prozent auf den eingezahlten Betrag.
Die Rürup-Rente funktioniert als fondsgebundene oder klassische Version. Fondsgebundene Varianten bieten höhere Renditechancen durch Aktien- oder ETF-Investment innerhalb des Versicherungsmantels. Die Kosten variieren stark je nach Anbieter, für kostengünstige Nettopolicen (ohne Abschlussprovisionen) liegen sie bei 0,3 bis 0,7 Prozent jährlich. Hochkostenvarianten mit 1,5 bis 2,5 Prozent Kosten sollte man meiden.
Worauf Oberärzte besonders achten sollten
Die Rürup-Rente ist nicht flexibel: Das eingezahlte Kapital kann nicht vor dem 62. Lebensjahr ausgezahlt werden und ist nicht vererbbar (außer mit teurer Zusatzoption). Wer Liquiditätsreserven benötigt, sollte nicht das gesamte Altersvorsorgebudget in die Rürup-Rente stecken. Ärzteversichert prüft für Oberärzte, ob und in welcher Höhe eine Rürup-Rente sinnvoll ist und welcher Anbieter die günstigsten Konditionen bietet.
Typische Fehler in dieser Karrierephase
Ein häufiger Fehler ist das Abschließen einer Rürup-Rente über einen Bankberater mit hohen Abschlusskosten. Wer 3 bis 5 Prozent Abschlussgebühr zahlt, verschenkt den steuerlichen Vorteil der ersten Jahre.
Ebenfalls problematisch: das Investieren in eine Rürup-Rente ohne vorherige Prüfung, ob die Versorgungswerksbeiträge bereits den steuerlichen Sonderausgabenhöchstbetrag ausschöpfen.
Fazit
Die Rürup-Rente ist für Oberärzte mit Nebeneinkünften ein interessantes Instrument zur Steueroptimierung und Altersvorsorge. Wer die Kosten im Blick behält und die Flexibilitätseinschränkungen akzeptiert, profitiert dauerhaft. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesfinanzministerium – Rürup-Rente und Sonderausgabenabzug
- BaFin – Rentenversicherungsprodukte für Verbraucher
- GDV – Basis-Rente und fondsgebundene Altersvorsorge
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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