Ärztinnen und Ärzte, die kurz vor der Praxisabgabe oder dem Ruhestand eine Elternzeit genommen haben, stehen vor einer besonderen Situation: Der Wiedereinstieg ist zeitlich begrenzt, da die Übergabe oder der Rentenbeginn bereits absehbar ist. Dies verändert die Prioritäten erheblich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer nach der Elternzeit nur noch wenige Jahre bis zur Praxisabgabe hat, sollte den Wiedereinstieg gezielt auf die Übergabe-Vorbereitung ausrichten.
  • Der Wiedereinstieg als Praxisinhaber nach der Elternzeit kann gleichzeitig der Beginn der aktiven Nachfolgersuche sein.
  • Rentenanwartschaften, die während der Elternzeit nicht bedient wurden, können beim Wiedereinstieg durch erhöhte Beiträge teilweise nachgeholt werden.

Wiedereinstieg nach Elternzeit in der Phase Praxisabgabe und Ruhestand

Wer nach einer ein- bis zweijährigen Elternzeit in den letzten 5 bis 10 Jahren seiner aktiven Praxisführung wieder einsteigt, hat eine besondere strategische Möglichkeit: Den Wiedereinstieg als Vorbereitung auf die Übergabe zu nutzen.

Das bedeutet konkret: Ab dem Wiedereinstieg sollte die Praxis systematisch so aufgestellt werden, dass sie übergabefähig ist. Patientenstamm und Praxisabläufe sollten dokumentiert und standardisiert sein. Das KV-Zulassungsrecht sollte auf Übertragbarkeit geprüft werden. Erste Gespräche mit der KV über die Bedarfsplanungssituation im Planungsbereich können beginnen.

Finanziell ist der Wiedereinstieg auch der Zeitpunkt, Rentenanwartschaften zu stärken. Wer während der Elternzeit keine oder reduzierte Versorgungswerkbeiträge gezahlt hat, kann nach dem Wiedereinstieg für die verbleibenden Berufsjahre erhöhte Beiträge zahlen, um die Anwartschaft zu steigern.

Steuerlich bietet die Schlussphase der Berufstätigkeit Gestaltungsmöglichkeiten: Investitionen in die Praxisausstattung, die vor der Übergabe noch sinnvoll sind, können steuermindernd wirken, wenn sie in den letzten aktiven Jahren getätigt werden.

Worauf Ärzte in dieser Phase besonders achten sollten

Die Berufshaftpflicht muss beim Wiedereinstieg vollständig aktiv sein und sollte für die Restlaufzeit der aktiven Praxistätigkeit plus die Nachhaftungsperiode nach der Übergabe kalkuliert werden. Ärzteversichert begleitet diesen Übergang und stellt sicher, dass kein Versicherungsschutz verloren geht.

Typische Fehler in dieser Karrierephase

Ein häufiger Fehler ist das Einsteigen in den Vollbetrieb nach der Elternzeit ohne Blick auf die bevorstehende Übergabe, was dazu führt, dass die Übergabeplanung weiter aufgeschoben wird. Ein zweiter Fehler ist das Vergessen der Rentenanwartschaftssituation nach der Elternzeitpause.

Fazit

Der Wiedereinstieg nach Elternzeit kurz vor der Praxisabgabe ist eine besondere Chance, die aktive Restlaufzeit der Praxis gezielt für die Übergabevorbereitung zu nutzen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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