Praxisinhaber können die betriebliche Altersvorsorge nicht nur für ihre Mitarbeiter einrichten, sondern unter bestimmten Bedingungen auch für sich selbst nutzen. In Kombination mit dem Versorgungswerk und privaten Vorsorgeformen entsteht eine leistungsfähige Altersversorgung.
Das Wichtigste in Kürze
- Selbstständige Praxisinhaber können bAV nur über eine Direktversicherung als Arbeitgeber nutzen
- Die steuerliche Wirkung der bAV hängt vom individuellen Steuersatz und der Auszahlungsform ab
- In Kombination mit Versorgungswerk und privater Vorsorge ergibt sich eine ausgewogene Drei-Säulen-Strategie
Grundlagen: Betriebliche Altersvorsorge für Selbstständige
Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist primär ein Instrument der Arbeitnehmervorsorge, das Arbeitgebern ermöglicht, für ihre Mitarbeiter Altersvorsorge zu finanzieren. Als Praxisinhaber können Ärzte die bAV für ihre angestellten Mitarbeiter einrichten und damit steuerlich begünstigte Vergütungsbestandteile anbieten.
Für den Praxisinhaber selbst ist die Situation komplexer: Als Freiberufler ist er kein Arbeitnehmer im klassischen Sinne und kann die Entgeltumwandlung nicht direkt nutzen. Über eine Anstellung als GmbH-Geschäftsführer in einer ärztlichen GmbH oder über die Nutzung spezifischer Vertragskonstruktionen ist eine bAV-ähnliche Struktur jedoch möglich. Alternativ bieten die Rürup-Rente und private Rentenversicherungen vergleichbare steuerliche Vorteile.
Die betriebliche Direktversicherung für angestellte Mitarbeiter bietet steuerliche Vorteile für beide Seiten: Beiträge sind bis zu bestimmten Höchstgrenzen sozialversicherungsfrei und steuermindernd. Seit 2019 gilt ein gesetzlicher Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent auf Entgeltumwandlungsbeträge.
Schritt für Schritt: bAV in der Praxis einrichten
Schritt 1: Bedarf der Mitarbeiter ermitteln. Führen Sie Gespräche mit Ihren Mitarbeitern und ermitteln Sie, wer Interesse an einer Entgeltumwandlung hat.
Schritt 2: Geeigneten Durchführungsweg wählen. Die Direktversicherung ist für kleine Praxen am einfachsten. Sie bindet sich an einen Versicherer und erfordert wenig Verwaltungsaufwand.
Schritt 3: Rahmenvertrag mit einem Versicherer abschließen. Vergleichen Sie Angebote verschiedener Versicherer und wählen Sie einen Vertrag mit günstigen Konditionen und transparenten Kostenstrukturen.
Schritt 4: Mitarbeiter vollständig informieren. Erklären Sie den Mitarbeitern die Funktionsweise der bAV, die steuerlichen Vorteile und die Leistungen im Rentenalter.
Schritt 5: Eigene Altersvorsorge als Praxisinhaber ergänzen. Für den Praxisinhaber selbst bietet die Rürup-Rente vergleichbare steuerliche Vorteile wie die bAV für Arbeitnehmer.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
Ein häufiger Fehler ist das Anbieten einer bAV für Mitarbeiter, ohne den gesetzlichen Arbeitgeberzuschuss korrekt einzukalkulieren. Seit 2022 gilt der 15-Prozent-Zuschuss auch für Altverträge, was die Kosten für den Arbeitgeber erhöht.
Ärzteversichert unterstützt Praxisinhaber bei der Einrichtung von bAV-Systemen für Mitarbeiter und gibt eine fundierte Empfehlung zu den optimalen Durchführungswegen. Gleichzeitig beraten wir zur eigenen Altersvorsorge des Praxisinhabers.
Fazit
Eine gut strukturierte bAV stärkt die Mitarbeiterbindung und die Attraktivität als Arbeitgeber. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesministerium für Arbeit und Soziales – bAV
- GDV – Betriebliche Altersvorsorge
- GKV-Spitzenverband – Entgeltumwandlung
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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