Die Beantwortung der Gesundheitsfragen beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist für Ärzte eine der heikelsten Phasen des gesamten Prozesses. Fehler können im Leistungsfall zur Anfechtung des Vertrags wegen arglistiger Täuschung führen, und das auch noch Jahre nach Vertragsabschluss.

Grundlagen

Beim Antrag auf eine BU-Versicherung stellt der Versicherer in der Regel Gesundheitsfragen, die Vorerkrankungen der letzten fünf bis zehn Jahre abfragen. Die genaue Reichweite der Fragen variiert je nach Versicherer und Tarif.

Für Ärzte gelten besondere Rahmenbedingungen:

  • Als Mediziner haben Sie möglicherweise mehr Diagnosen in Ihrer Akte als Laien, weil Sie häufiger Vorsorgeuntersuchungen nutzen und Symptome früher abklären lassen.
  • Berufsbedingte Erkrankungen (z.B. Rückenbeschwerden, psychische Belastungen) sind bei Ärzten überdurchschnittlich häufig.
  • Vordiagnosen, die für Laien irrelevant erscheinen, können für Versicherer relevant sein.

Rechtlicher Rahmen: Die vorvertragliche Anzeigepflicht (§ 19 VVG) verpflichtet Sie, alle bekannten Umstände anzugeben, die für die Risikobeurteilung des Versicherers erheblich sind. Verletzungen dieser Pflicht können zur Vertragsanfechtung führen.

Schritt-für-Schritt-Vorgehen

Schritt 1: Krankenakte vollständig aufarbeiten

Besorgen Sie sich alle relevanten Arztberichte, Krankenhausentlassungsberichte und Laborwerte der letzten zehn Jahre. Auch Einträge in der PKV oder bei Hausärzten aus früherer Zeit sollten erfasst werden.

Schritt 2: Fragen wörtlich interpretieren

Lesen Sie jede Gesundheitsfrage genau. Wenn eine Frage nach Erkrankungen der letzten fünf Jahre fragt, müssen Sie nicht alles aus früherer Zeit angeben. Wenn die Frage offen formuliert ist, gilt Vollständigkeitspflicht.

Schritt 3: Rechtlichen Beistand oder erfahrenen Makler hinzuziehen

Für komplexe Vorerkrankungen empfiehlt sich eine anonyme Voranfrage durch einen spezialisierten Makler. So erhalten Sie eine Risikoeinschätzung ohne Eintrag im Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherer.

Schritt 4: Anonyme Risikovoranfrage nutzen

Erfahrene BU-Makler können anonyme Voranfragen bei mehreren Versicherern gleichzeitig stellen. So erfahren Sie vorab, zu welchen Konditionen (Ausschlüsse, Zuschläge, Ablehnung) Schutz möglich wäre.

Schritt 5: Ehrlichkeit als Prinzip

Verschweigen Sie keine Vorerkrankungen aus strategischen Überlegungen. Das Risiko der Vertragsanfechtung im Leistungsfall überwiegt den kurzfristigen Vorteil günstigerer Prämien.

Schritt 6: Alle Angaben schriftlich dokumentieren

Bewahren Sie den vollständigen Antrag inklusive Ihrer Antworten sorgfältig auf. Im Streitfall ist dies Ihr Nachweis, was Sie angegeben haben.

Häufige Fehler vermeiden

Verharmlosung von Vorerkrankungen: Auch vermeintlich harmlose Diagnosen wie gelegentliche Migräne oder Rückenprobleme können zu Ausschlüssen führen. Geben Sie alles an und lassen Sie den Versicherer entscheiden.

Keine Voranfrage bei komplexer Krankengeschichte: Wer mit einer komplexen Krankengeschichte direkt einen Antrag stellt, riskiert einen HIS-Eintrag und erschwertes Marking bei anderen Versicherern.

Fragen nicht vollständig gelesen: Viele Fehler entstehen, weil Antragsteller Fragen überfliegen statt genau lesen.

Vergessen von ambulanten Behandlungen: Viele Ärzte erinnern sich gut an Krankenhausaufenthalte, vergessen aber ambulante Behandlungen, Physiotherapie oder psychologische Beratungen.

Fazit

Die korrekte Beantwortung der Gesundheitsfragen ist entscheidend für die Wirksamkeit Ihres BU-Schutzes. Lassen Sie sich von den spezialisierten Beratern bei Ärzteversichert durch den Antragsprozess begleiten.

Quellen:

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