Arztpraxen sind ein attraktives Ziel für Cyberkriminelle: Sie verwalten hochsensible Patientendaten und sind oft weniger gut geschützt als Krankenhäuser. Angriffe mit Ransomware, Datenlecks oder Phishing können den Praxisbetrieb lahmlegen und erhebliche Haftungsfolgen haben. Dieser Leitfaden erklärt die wichtigsten Schutzmaßnahmen.

Grundlagen

Arztpraxen sind gemäß DSGVO und dem Sozialgesetzbuch verpflichtet, personenbezogene Gesundheitsdaten besonders zu schützen. Verstöße können zu erheblichen Bußgeldern führen.

Häufigste Angriffsvektoren:

  • Phishing-E-Mails: Gefälschte E-Mails, die Mitarbeiter zum Klicken auf Schadsoftware-Links verleiten.
  • Ransomware: Verschlüsselung aller Daten und Erpressung.
  • Unsichere Passwörter: Standardpasswörter an Geräten oder schwache Passwörter in Praxissoftware.
  • Infizierte USB-Sticks oder externe Medien.
  • Veraltete Software ohne Sicherheitsupdates.

Besondere Risiken durch TI-Anbindung: Die Telematikinfrastruktur erhöht die Netzwerkkomplexität und schafft neue Angriffsflächen.

Schritt-für-Schritt-Vorgehen

Schritt 1: Risikoanalyse durchführen

Identifizieren Sie alle IT-Systeme in Ihrer Praxis: PVS, Abrechnungssystem, Medizingeräte, Telefonanlage, WLAN-Netzwerke. Für jedes System gilt es, Schwachstellen zu kennen.

Schritt 2: Technische Basisschutzmaßnahmen implementieren

Stellen Sie sicher, dass alle Systeme aktuelle Sicherheitsupdates haben, Firewalls und Antivirenprogramme aktiv sind und alle Passwörter den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen (mindestens zwölf Zeichen, Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen, Sonderzeichen).

Schritt 3: Datensicherung einrichten

Richten Sie automatische, regelmäßige Backups ein. Bewahren Sie Backups getrennt vom Praxissystem auf (z.B. verschlüsselt in der Cloud oder auf einem offline aufbewahrten externen Medium).

Schritt 4: Mitarbeiter schulen

Schulen Sie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Erkennen von Phishing-E-Mails, im sicheren Umgang mit Passwörtern und in den Verhaltensregeln bei einem Sicherheitsvorfall.

Schritt 5: Incident-Response-Plan erstellen

Legen Sie fest, was im Falle eines Cyberangriffs zu tun ist: Wen Sie kontaktieren, wie Sie den Datenschutzbeauftragten informieren und wann die Datenschutzbehörde gemeldet werden muss.

Schritt 6: Cyberversicherung abschließen

Eine Cyberversicherung deckt Kosten für die Wiederherstellung von Daten, den Betriebsausfall, rechtliche Beratung und Benachrichtigungspflichten bei Datenpannen.

Häufige Fehler vermeiden

Keine Backups getestet: Ein Backup hilft nur, wenn es im Ernstfall auch wiederherstellbar ist. Testen Sie regelmäßig die Wiederherstellung.

WLAN ungesichert: Offenes oder schwach gesichertes WLAN in der Praxis ist eine einfache Eintrittspforte für Angreifer.

Medizingeräte vernachlässigt: Vernetzte Medizingeräte (z.B. EKG, Ultraschall) sind oft schlechter abgesichert als Computer. Fragen Sie Gerätehersteller nach Sicherheitsupdates.

Keine Meldepflicht bekannt: Eine Datenpanne muss innerhalb von 72 Stunden an die zuständige Datenschutzbehörde gemeldet werden. Kennen Sie die Pflichten.

Fazit

Cybersicherheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Kombinieren Sie technische Schutzmaßnahmen mit Mitarbeiterschulungen und einer Cyberversicherung. Ärzteversichert berät Sie zu geeigneten Cyberversicherungslösungen für Arztpraxen.

Quellen:

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