Die Heirat ist nicht nur ein emotionaler, sondern auch ein finanzieller Meilenstein. Für Ärzte mit überdurchschnittlichem Einkommen und oft komplexen Vermögenssituationen ergeben sich durch die Heirat zahlreiche Gestaltungsoptionen und Handlungspflichten.
Grundlagen
Durch die Heirat entstehen neue rechtliche Rahmenbedingungen:
- Gesetzlicher Güterstand: In Deutschland gilt ohne ehelichen Gütervertrag die Zugewinngemeinschaft. Im Scheidungsfall wird der während der Ehe erzielte Zugewinn hälftig geteilt.
- Steuerliche Gemeinsam-Veranlagung: Verheiratete können sich gemeinsam veranlagen lassen und profitieren vom Ehegattensplitting.
- Gesetzliche Erbfolge: Ohne Testament erbt der Ehegatte neben Kindern und Eltern nach gesetzlichen Quoten.
- Krankenversicherung: In der GKV können Ehepartner kostenlos mitversichert werden. In der PKV entstehen separate Beiträge.
Schritt-für-Schritt-Vorgehen
Schritt 1: Güterstand überlegen
Prüfen Sie, ob der gesetzliche Güterstand (Zugewinngemeinschaft) für Ihre Situation passt oder ob ein ehelicher Gütervertrag mit Gütertrennung oder modifizierter Zugewinngemeinschaft sinnvoll ist.
Schritt 2: Steuerklassenwahl optimieren
Wählen Sie die für Ihre Situation optimale Steuerklassenkombination. Für Ärzte mit sehr unterschiedlichem Einkommen kann das erhebliche Auswirkungen auf die monatliche Steuerlast haben.
Schritt 3: Versicherungen aktualisieren
Überprüfen und aktualisieren Sie alle Versicherungen: Bezugsrechte in Lebensversicherungen und Rentenversicherungen auf den Ehepartner anpassen, Risikolebensversicherung abschließen oder erhöhen, PKV für den Partner abschließen.
Schritt 4: Testament errichten
Die gesetzliche Erbfolge entspricht oft nicht den eigenen Wünschen. Ein gemeinsames Testament oder ein Erbvertrag stellt sicher, dass der Partner abgesichert ist.
Schritt 5: Vorsorgevollmacht aktualisieren
Ergänzen Sie die Vorsorgevollmacht um den Ehepartner als Bevollmächtigten, soweit das noch nicht der Fall ist.
Schritt 6: Versorgungswerk-Hinterbliebenenrente prüfen
Melden Sie die Heirat Ihrem Versorgungswerk. Die Hinterbliebenenrente für den Ehepartner ist ein wichtiger Absicherungsbaustein.
Häufige Fehler vermeiden
Güterstand nicht überdacht: Viele Ärztepaare heiraten im gesetzlichen Güterstand, ohne die Konsequenzen für den Scheidungsfall zu kennen. Besprechen Sie das frühzeitig.
Bezugsrechte nicht aktualisiert: Alte Lebensversicherungen mit Ex-Partnern oder Eltern als Begünstigte sind ein häufiges Problem. Prüfen Sie alle Bezugsrechte nach der Heirat.
PKV-Kosten für Partner unterschätzt: In der PKV zahlt jeder Partner eigene Beiträge. Das kann bei einem nicht berufstätigen Partner sehr teuer werden.
Testament aufgeschoben: Jeder dritte Mensch in Deutschland hat kein Testament. Errichten Sie nach der Heirat zeitnah ein gemeinsames Testament.
Fazit
Die Heirat ist der ideale Zeitpunkt für eine vollständige Überprüfung Ihrer finanziellen und versicherungsrechtlichen Situation. Lassen Sie sich von Ärzteversichert bei der Aktualisierung Ihrer Versicherungen und Vorsorge unterstützen.
Quellen:
- Bundesministerium der Justiz: Eherecht und Güterstand
- Bundesministerium der Finanzen: Ehegattensplitting
- Bundesärztekammer: Familienrecht für Ärzte
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