Eine Scheidung ist eine der finanziell tiefgreifendsten Lebensereignisse. Für Ärzte mit überdurchschnittlichem Einkommen, Praxisvermögen und komplexen Vorsorgebausteinen sind die Konsequenzen besonders weitreichend. Dieser Leitfaden gibt einen praxisnahen Überblick.

Grundlagen

Bei einer Scheidung ohne Gütervertrag gilt der Zugewinnausgleich: Der Partner, der während der Ehe mehr Vermögen aufgebaut hat, muss die Hälfte des Zugewinns an den anderen auszahlen.

Besonders relevant für Ärzte:

  • Der Praxiswert (inkl. Goodwill) gehört zum Zugewinn, sofern die Praxis während der Ehe gegründet oder erheblich ausgebaut wurde.
  • Rentenanwartschaften werden im Versorgungsausgleich hälftig geteilt. Das betrifft auch das Versorgungswerk.
  • Unterhaltspflichten können erheblich sein, insbesondere wenn der Partner auf Erwerbstätigkeit verzichtet hat.

Versorgungsausgleich:

Alle während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften (Versorgungswerk, gesetzliche Rente, private Rentenversicherungen) werden hälftig geteilt. Das kann die spätere Rente deutlich reduzieren.

Schritt-für-Schritt-Vorgehen

Schritt 1: Trennungszeitpunkt dokumentieren

Dokumentieren Sie den Trennungszeitpunkt präzise. Er bestimmt den Endzeitpunkt für den Zugewinn. Je früher das Trennungsdatum festgehalten ist, desto klarer ist die Berechnung.

Schritt 2: Praxiswert ermitteln lassen

Beauftragen Sie einen Gutachter mit der Bewertung Ihrer Praxis. Der Goodwill (immaterieller Wert) ist oft der größte Streitpunkt. Ein frühzeitiges, unabhängiges Gutachten schafft Klarheit.

Schritt 3: Versorgungsausgleich analysieren

Fordern Sie von allen Vorsorgeeinrichtungen (Versorgungswerk, Lebensversicherungen) eine Auskunft zu den anrechenbaren Anwartschaften an. Prüfen Sie, ob ein Ausschluss des Versorgungsausgleichs durch Scheidungsfolgenvereinbarung möglich ist.

Schritt 4: Alle Versicherungen neu regeln

Aktualisieren Sie alle Bezugsrechte in Lebensversicherungen und Rentenversicherungen. Überprüfen Sie Berufshaftpflicht (sind mitversicherte Familienangehörige auszuschließen?), PKV und alle anderen Policen.

Schritt 5: Testament aktualisieren

Nach der Scheidung fällt das gemeinsame Testament außer Kraft. Errichten Sie ein neues Testament, das Ihre aktuelle Situation widerspiegelt.

Schritt 6: Neue Altersvorsorgestrategie entwickeln

Durch den Versorgungsausgleich sinkt die zu erwartende Rente. Entwickeln Sie eine neue Altersvorsorgestrategie, die die veränderte Ausgangssituation berücksichtigt.

Häufige Fehler vermeiden

Praxiswert nicht rechtzeitig gesichert: Ein zu später oder einseitiger Bewertungsprozess führt oft zu überhöhten Forderungen des Partners.

Versorgungsausgleich unterschätzt: Viele Ärzte unterschätzen, wie stark der Versorgungsausgleich die spätere Rente reduziert. Lassen Sie das berechnen.

Bezugsrechte nicht aktualisiert: Nach der Scheidung besteht der frühere Partner möglicherweise noch als Bezugsberechtigter. Das kann verheerende Folgen haben.

Unterhalt falsch eingeschätzt: Ärzte mit hohem Einkommen haben erhebliche Unterhaltspflichten. Lassen Sie die Höhe von einem Fachanwalt für Familienrecht berechnen.

Fazit

Eine Scheidung erfordert eine vollständige Neuordnung der finanziellen Situation. Arbeiten Sie mit einem Fachanwalt für Familienrecht und einem auf Ärzte spezialisierten Finanzberater zusammen. Ärzteversichert hilft Ihnen bei der Neuordnung Ihrer Versicherungen.

Quellen:

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