Die neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) markiert die größte Reform der privatärztlichen Abrechnung seit 1996. Mit ihrer Einführung 2026 ändern sich Leistungsziffern, Punktwerte und Abrechnungslogik grundlegend. Ärzte, die Privatpatienten behandeln, müssen sich frühzeitig mit den Neuerungen vertraut machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die neue GOÄ bringt deutlich höhere Punktwerte und eine modernisierte Leistungsstruktur
- Rund 4.800 Leistungspositionen wurden überarbeitet, gestrichen oder neu aufgenommen
- Digitale Leistungen und moderne Diagnostik sind erstmals vollständig berücksichtigt
Grundlagen: Was die GOÄ-Reform beinhaltet
Die Gebührenordnung für Ärzte regelt die Vergütung ärztlicher Leistungen gegenüber Privatpatienten und Selbstzahlern. Die bisherige GOÄ aus dem Jahr 1996 entsprach nicht mehr dem Stand der modernen Medizin: Viele Leistungen wie MRT-Diagnostik, Telemedizin oder molekularbiologische Untersuchungen fehlten oder wurden unzureichend abgebildet.
Die neue GOÄ 2026 führt ein dreistufiges Vergütungssystem ein. Der einfache Schwellenwert entspricht dem Regelsatz für Standardleistungen. Für besondere Schwierigkeit oder erhöhten Zeitaufwand kann auf den mittleren oder erhöhten Schwellenwert abgerechnet werden, jeweils mit einer schriftlichen Begründung. Analogleistungen werden durch klare Regelungen ersetzt, was die Rechtssicherheit bei der Abrechnung erhöht.
Ein wesentliches Merkmal der Reform ist der angehobene Punktwert. Gegenüber dem alten System ergibt sich im Durchschnitt eine Vergütungserhöhung von rund 30 bis 35 Prozent. Allerdings variiert dies stark je nach Fachrichtung: Technische Fächer mit häufigen Geräteuntersuchungen profitieren tendenziell weniger als sprechende Mediziner.
Schritt für Schritt: Vorbereitung auf die neue GOÄ
Schritt 1: Fortbildung absolvieren. Bundesärztekammer und Ärztekammern der Länder bieten Schulungen zur neuen GOÄ an. Diese sind Pflicht vor der ersten Abrechnung nach neuem Recht.
Schritt 2: Praxissoftware aktualisieren. Stellen Sie sicher, dass Ihr Praxisverwaltungssystem die neuen Ziffern abbildet und die Begründungsfelder für erhöhte Schwellenwerte unterstützt.
Schritt 3: Honorarvereinbarungen überprüfen. Bestehende Honorarvereinbarungen mit Patienten oder Kliniken müssen auf Basis der neuen GOÄ neu verhandelt werden.
Schritt 4: PKV-Verträge klären. Prüfen Sie, wie Ihre privaten Krankenversicherungstarife auf die neue GOÄ reagieren und ob es Erstattungseinschränkungen gibt.
Schritt 5: Liquidationsrecht neu kalkulieren. Chefärzte mit Liquidationsrecht sollten prüfen, wie sich die Reform auf ihre Einnahmen auswirkt, und ggf. Chefarztverträge anpassen lassen.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
Ein verbreiteter Fehler ist die Annahme, dass die neue GOÄ automatisch zu höheren Einnahmen führt. Tatsächlich müssen Abrechnungsroutinen aktiv angepasst werden. Wer weiterhin nach alten Mustern abrechnet, verschenkt Honorar.
Ärzteversichert empfiehlt, parallel zur GOÄ-Umstellung den Berufshaftpflichtschutz zu überprüfen. Die neue GOÄ bringt auch neue Haftungsrisiken, insbesondere bei telemedizinischen Leistungen und innovativen Diagnostikverfahren, die einer angepassten Deckung bedürfen.
Fazit
Die GOÄ-Reform 2026 ist Chance und Herausforderung zugleich: Wer gut vorbereitet ist, profitiert von besserer Vergütung und mehr Rechtssicherheit. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesärztekammer – GOÄ-Reform
- PKV-Verband – GOÄ 2026
- Kassenärztliche Bundesvereinigung
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
Persönliche Beratung zu diesem Thema?
Kostenfreie Erstberatung anfragen →