Das Honorar niedergelassener Ärzte setzt sich aus GKV-Vergütung (EBM), Privatliquidation (GOÄ), IGeL-Leistungen und Selektivvertragseinnahmen zusammen. Wer alle Hebel gezielt einsetzt, kann das Praxiseinkommen deutlich steigern.

Grundlagen

GKV-Honorar (EBM): Wird im Rahmen der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung und regionaler Honorarverträge vergütet. Das Honorarvolumen ist durch Regelleistungsvolumina (RLV) und qualifikationsgebundene Zusatzvolumina (QZV) begrenzt.

Privatliquidation (GOÄ): Nur bei Privatpatienten oder als IGeL-Leistung bei Kassenpatienten. Höhere Einnahmen je Behandlungsfall, aber nur bei entsprechendem Patientenmix möglich.

IGeL-Leistungen (Individuelle Gesundheitsleistungen): Freiwillige Zusatzleistungen für GKV-Patienten, die nicht im Leistungskatalog der GKV enthalten sind. Können das Praxishonorar erheblich steigern, müssen aber klar kommuniziert und dokumentiert sein.

Selektivverträge: Zusatzverträge mit einzelnen Krankenkassen (Hausarztverträge, Disease-Management-Programme, besondere Versorgungsverträge), die oft höhere Vergütungen bieten.

Schritt-für-Schritt-Vorgehen

Schritt 1: Honoraranalyse durchführen

Analysieren Sie Ihre Honorarentwicklung über die letzten drei bis fünf Jahre. Vergleichen Sie Ihre Kennzahlen mit dem Fachgruppendurchschnitt der KV. Identifizieren Sie, wo Sie unter dem Durchschnitt liegen.

Schritt 2: EBM-Abrechnung optimieren

Prüfen Sie, ob alle abrechenbaren Leistungen tatsächlich abgerechnet werden. Chroniker-Zuschläge, Präventionsleistungen und zeitbedingte Zuschläge werden oft nicht konsequent genutzt.

Schritt 3: IGeL-Portfolio entwickeln

Entwickeln Sie ein klares IGeL-Portfolio für Ihre Fachrichtung. Informieren Sie Patienten transparent über das Leistungsangebot. Beachten Sie die Beratungspflicht und die schriftliche Einwilligung.

Schritt 4: Selektivverträge prüfen

Prüfen Sie, an welchen Selektivverträgen Ihrer KV Sie teilnehmen könnten. Hausarzt- und Facharztverträge bieten oft zusätzliche Vergütungen für koordinierte Versorgung.

Schritt 5: Privatpatienten-Anteil erhöhen

Prüfen Sie, ob und wie Sie den Privatpatienten-Anteil erhöhen können: Lage der Praxis, Öffnungszeiten, Patientenkommunikation, Praxisausstattung.

Schritt 6: Abrechnungssoftware und -prozesse optimieren

Veraltete Software oder mangelhafte Prozesse führen zu Abrechnungsfehlern und entgangenen Honoraren. Investieren Sie in ein modernes PVS.

Häufige Fehler vermeiden

IGeL ohne schriftliche Vereinbarung: IGeL-Leistungen müssen vor der Erbringung schriftlich vereinbart und aufgeklärt werden. Das ist keine Bürokratie, sondern Rechtssicherheit.

RLV-Überschreitung nicht gesteuert: Leistungen über das Regelleistungsvolumen hinaus werden oft abgestaffelt. Steuern Sie Ihre Leistungserbringung, um das RLV optimal zu nutzen.

Selektivverträge nicht geprüft: Viele Praxen nehmen nicht an allen möglichen Selektivverträgen teil. Das kostet Honorar.

Praxismarketing vernachlässigt: Eine gut sichtbare Praxis mit guter Online-Bewertung hat mehr Patienten und damit mehr Honorarpotenzial.

Fazit

Honorar-Optimierung ist eine betriebswirtschaftliche Aufgabe, die regelmäßige Aufmerksamkeit erfordert. Kombinieren Sie EBM-Optimierung, IGeL und Selektivverträge für maximalen Effekt. Bei Fragen zu Ihrer Praxisabsicherung steht Ärzteversichert zur Verfügung.

Quellen:

Blog-Übersicht

Persönliche Beratung zu diesem Thema?

Kostenfreie Erstberatung anfragen →