Arztpraxen verwalten hochsensible Patientendaten und sind an die Telematikinfrastruktur angebunden. Gleichzeitig sind die IT-Sicherheitsmaßnahmen in vielen Praxen noch nicht dem Stand der Technik entsprechend. Dieser Leitfaden gibt einen vollständigen Überblick.

Grundlagen

IT-Sicherheit in der Arztpraxis umfasst den Schutz vor:

  • Cyberangriffen (Ransomware, Phishing, DDoS)
  • Datenverlust (Hardware-Fehler, menschliche Fehler, Diebstahl)
  • Unbefugtem Datenzugriff (intern und extern)

Rechtliche Anforderungen:

  • DSGVO: Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs) zum Schutz personenbezogener Daten
  • BSI-Anforderungen für TI-Komponenten
  • KBV-Richtlinien für Praxen (KBV-IT-Sicherheitsrichtlinie, seit Juli 2021)

Die KBV-IT-Sicherheitsrichtlinie verpflichtet alle Vertragsarztpraxen zu Mindestmaßnahmen in Bereichen wie Virenschutz, Datensicherung, Passwortmanagement und Schulungen.

Schritt-für-Schritt-Vorgehen

Schritt 1: IT-Inventar erstellen

Erfassen Sie alle IT-Geräte und Software in Ihrer Praxis: PCs, Laptops, Tablets, Smartphones, Drucker, Medizingeräte mit Netzwerkanschluss, Konnektor, Router.

Schritt 2: Netzwerksicherheit konfigurieren

Trennen Sie das Praxisnetzwerk von einem Gastnetz (für Patienten-WLAN). Aktivieren Sie Firewalls. Verwenden Sie WPA3-Verschlüsselung für WLAN.

Schritt 3: Passwortrichtlinien einführen

Führen Sie starke Passwörter und eine Multi-Faktor-Authentifizierung für alle sensiblen Systeme ein. Verwenden Sie einen Passwort-Manager.

Schritt 4: Datensicherung implementieren

Richten Sie automatische Backups nach der 3-2-1-Regel ein: drei Kopien, zwei verschiedene Medien, eine Kopie extern oder offline. Testen Sie die Wiederherstellung regelmäßig.

Schritt 5: Antivirensoftware und Updates

Stellen Sie sicher, dass auf allen Geräten aktuelle Antivirensoftware läuft und alle Betriebssysteme und Anwendungen zeitnah aktualisiert werden.

Schritt 6: Mitarbeiterschulungen durchführen

Schulen Sie alle Mitarbeiter regelmäßig zu Phishing-Erkennung, sicherem Umgang mit E-Mails und Datenschutz. Dokumentieren Sie die Schulungen.

Häufige Fehler vermeiden

Keine Backups getestet: Backups ohne Wiederherstellungstest sind keine echten Backups. Testen Sie monatlich.

Veraltete Software: Nicht gepatchte Software ist die häufigste Eintrittspforte für Ransomware. Führen Sie Updates sofort durch.

WLAN ohne Segmentierung: Ein einziges WLAN für alle Geräte und Gäste ist ein Sicherheitsrisiko.

Medizingeräte vernachlässigt: Vernetzte Medizingeräte erhalten oft keine regelmäßigen Updates. Sprechen Sie mit den Herstellern.

Fazit

IT-Sicherheit ist kein Luxus, sondern eine rechtliche Pflicht und existenzielle Notwendigkeit für Arztpraxen. Kombinieren Sie technische Maßnahmen mit einer Cyberversicherung. Ärzteversichert berät Sie zu geeigneten Cyberversicherungen für Ihre Praxis.

Quellen:

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