Eine durchdachte Abrechnungsstrategie ist für selbstständige Ärzte ein wesentlicher Hebel zur Optimierung des Praxisergebnisses. Vollständige und korrekte Abrechnung sichert die Einnahmen, während Fehler oder Unterkodierungen dauerhaft Umsatz kosten.
Das Wichtigste in Kürze
- Unterkodierung kostet Praxen jährlich mehrere tausend Euro an nicht abgerechnetem Umsatz
- EBM und GOÄ erfordern unterschiedliche Strategien für GKV- und Privatpatienten
- Regelmäßige Abrechnungsanalysen decken Optimierungspotenziale auf
Grundlagen: EBM- und GOÄ-Abrechnung für Selbstständige
Selbstständige Vertragsärzte rechnen Kassenleistungen nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) ab. Der EBM wird regelmäßig aktualisiert und enthält umfangreiche Leistungsziffern für verschiedene Fachrichtungen. Parallel besteht die Möglichkeit, Privatpatienten nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) zu behandeln und einen individuellen Steigerungsfaktor anzusetzen.
Eine häufige Schwachstelle in der EBM-Abrechnung ist die unvollständige Dokumentation von erbrachten Leistungen. Wer behandelt, aber nicht dokumentiert, kann nicht abrechnen. Strukturierte Behandlungsdokumentation und regelmäßige Mitarbeiterschulungen zur Abrechnung sind investitionen, die sich schnell amortisieren.
Die GOÄ-Abrechnung mit Privatpatienten bietet Spielraum beim Steigerungsfaktor. Eine angemessene, gut begründete Steigerung ist medizinisch und rechtlich legitim. Gleichzeitig erwartet die GOÄ eine klare medizinische Begründung, die in der Dokumentation festgehalten sein muss. Die geplante GOÄ-Reform wird die Abrechnungslogik grundlegend verändern.
Schritt für Schritt: Abrechnungsstrategie optimieren
Schritt 1: Abrechnungsanalyse durchführen. Vergleichen Sie Ihre Leistungsziffern mit den Durchschnittswerten der KV für Ihre Fachgruppe und Region. Deutliche Abweichungen nach unten weisen auf Unterkodierung hin.
Schritt 2: Dokumentationsprozesse überprüfen. Stellen Sie sicher, dass alle erbrachten Leistungen korrekt und vollständig dokumentiert werden. Nutzen Sie Vorlagen und Checklisten in der Praxissoftware.
Schritt 3: Mitarbeiter in der Abrechnung schulen. MFA und Abrechnungsassistenten sollten regelmäßig zu EBM-Neuerungen und abrechnungsrelevanten Dokumentationsanforderungen geschult werden.
Schritt 4: GOÄ-Steigerungsfaktoren strategisch einsetzen. Prüfen Sie für jeden Privatpatienten-Fall, ob ein erhöhter Steigerungsfaktor medizinisch und zeitlich begründet ist und bereiten Sie entsprechende Formulierungen vor.
Schritt 5: Wirtschaftlichkeitsprüfungen vorbereiten. Analysieren Sie Ihre Verordnungs- und Überweisungsquoten und dokumentieren Sie medizinische Begründungen für Auffälligkeiten.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
Ein typischer Fehler ist das Abrechnen nach persönlichem Gefühl statt nach systematischer Analyse. Praxen, die ihren Abrechnungsstand nie mit Vergleichsdaten abgeglichen haben, verschenken oft dauerhaft Umsatz.
Ärzteversichert empfiehlt, parallel zur Abrechnungsoptimierung auch eine Rechtsschutzversicherung zu prüfen, die bei Auseinandersetzungen mit der KV oder bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen unterstützt. Eine gute Absicherung schützt das Praxisbudget auch in strittigen Abrechnungsfragen.
Fazit
Eine aktive Abrechnungsstrategie verbessert das Praxisergebnis nachhaltig und ohne zusätzliche Patientenzahlen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – EBM
- Bundesärztekammer – GOÄ
- Gesetze im Internet – SGB V Abrechnung
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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