Klinikärztinnen und Klinikärzte arbeiten in einem hochregulierten Umfeld. Neben den ärztlichen Berufspflichten gelten arbeitsrechtliche Vorgaben, Dokumentationspflichten und Regelungen des Antikorruptionsrechts.

Grundlagen

Für Klinikärzte besonders relevante Compliance-Bereiche:

  • Arbeitszeitgesetz (ArbZG): Die wöchentliche Höchstarbeitszeit beträgt grundsätzlich 48 Stunden. Bereitschaftsdienste müssen erfasst und korrekt vergütet werden. Verstöße gegen das ArbZG haben arbeitsrechtliche und haftungsrechtliche Folgen.
  • Dokumentationspflicht: Krankenakten, OP-Berichte und Konsile müssen zeitnah, vollständig und sachlich korrekt dokumentiert werden. Lückenhaftige Dokumentation wird vor Gericht zu Lasten des Arztes ausgelegt.
  • Antikorruption: Geschenke von Pharmaunternehmen über dem Geringwertigkeitsschwellenwert sind verboten. Dies gilt auch für gesponserte Kongresse ohne angemessenen Fortbildungsanteil.
  • Meldepflichten: Behandlungsfehler, unerwünschte Arzneimittelereignisse und Vorkommnisse mit Medizinprodukten müssen internen Meldewegen (CIRS, Critical Incident Reporting System) zugeführt werden.

Schritt-für-Schritt-Vorgehen

Schritt 1: Arbeitszeitdokumentation führen

Nutzen Sie die systemeigene Zeiterfassung konsequent. Überstunden und Bereitschaftsdienste müssen lückenlos nachgewiesen werden.

Schritt 2: Dokumentationsdisziplin entwickeln

Schreiben Sie Arztbriefe, OP-Berichte und Visitennotizen zeitnah. Formulierungen sollten sachlich, vollständig und nachvollziehbar sein.

Schritt 3: Compliance-Schulungen des Hauses besuchen

Größere Kliniken bieten regelmäßige Pflichtschulungen zu Antikorruption, Datenschutz und CIRS an. Nehmen Sie aktiv teil und dokumentieren Sie die Teilnahme.

Schritt 4: Industrie-Kontakte regelkonform gestalten

Prüfen Sie vor der Teilnahme an Industrie-Veranstaltungen, ob diese den hausinternen Compliance-Vorgaben entsprechen.

Schritt 5: Fehlerberichtssystem nutzen

Melden Sie kritische Ereignisse im CIRS. Der Umgang mit Fehlern ist ein Qualitätsmerkmal, keine Schwäche.

Schritt 6: Berufsgenossenschaft und Unfallschutz kennen

Nadelstichverletzungen und andere Arbeitsunfälle müssen sofort gemeldet und dokumentiert werden.

Häufige Fehler vermeiden

Fehler 1: Überstunden nicht erfassen lassen

Nicht dokumentierte Mehrarbeit entfällt im Streitfall. Bestehen Sie auf korrekter Zeiterfassung.

Fehler 2: Dokumentation nachträglich verändern

Nachträgliche Korrekturen in Krankenakten ohne erkennbaren Vermerk können als Urkundenfälschung gewertet werden.

Fehler 3: Compliance-Schulungen versäumen

Wer Pflichtschulungen ohne triftigen Grund nicht besucht, signalisiert Gleichgültigkeit gegenüber Compliance-Anforderungen.

Fazit

Compliance im Klinikalltag ist Teil professioneller ärztlicher Praxis. Wer die Regeln kennt und lebt, schützt sich, seine Patienten und seine Karriere. Für eine umfassende Absicherung gegen Berufsrisiken steht Ihnen Ärzteversichert beratend zur Seite.

Quellen:

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