Der Schritt von der Anstellung in die eigene Niederlassung ist eine der bedeutendsten Karriereentscheidungen im Arztleben. Angestellte Ärzte, die diesen Schritt planen, müssen rechtliche, finanzielle und organisatorische Vorbereitungen weit im Voraus treffen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Niederlassung erfordert eine kassenärztliche Zulassung und den Erwerb oder die Anmietung eines Vertragsarztsitzes
  • Finanzierungsbedarf und Kreditwürdigkeit müssen vor der Niederlassung geklärt werden
  • Der Wechsel von Anstellung zu Selbstständigkeit bedeutet den Verlust des Arbeitgeberzuschusses zur PKV

Grundlagen: Von der Anstellung zur Niederlassung

Angestellte Ärzte, die sich niederlassen wollen, müssen zunächst einen Vertragsarztsitz in ihrem Fachgebiet erwerben oder eine freie Stelle über die Kassenärztliche Vereinigung besetzen. In vielen Regionen mit Überversorgung ist die Zulassung eingeschränkt; in unterversorgten Gebieten kann sie hingegen problemlos erteilt werden.

Nach Erteilung der kassenärztlichen Zulassung müssen Praxisräume angemietet oder erworben, Geräte angeschafft und Personal eingestellt werden. Insgesamt ist mit einem Investitionsbedarf von 100.000 bis 300.000 Euro zu rechnen, je nach Fachrichtung und Praxiskonzept. Die Finanzierung erfolgt in der Regel über Bankdarlehen und Förderprogramme der KfW oder Landesförderbanken.

Gleichzeitig verändert sich die Absicherungssituation grundlegend: Der Arbeitgeberzuschuss zur PKV entfällt, und der Arzt trägt seinen Krankenversicherungsbeitrag vollständig selbst. Auch das Versorgungswerk-Beitragsprofil verändert sich, da nun eigenverantwortlich Beiträge abgeführt werden.

Schritt für Schritt: Niederlassung aus der Anstellung heraus planen

Schritt 1: Versorgungssituation und Zulassungsoptionen prüfen. Klären Sie mit der Kassenärztlichen Vereinigung, ob in Ihrer Wunschregion freie Sitze oder Praxisübernahmen verfügbar sind.

Schritt 2: Finanzierungsbedarf ermitteln. Erstellen Sie einen detaillierten Businessplan mit Investitions- und Liquiditätsbedarf und besprechen Sie diesen mit einer auf Ärzte spezialisierten Bank.

Schritt 3: PKV-Situation im Voraus regeln. Berechnen Sie, welcher PKV-Beitrag nach dem Wegfall des Arbeitgeberzuschusses auf Sie zukommt, und prüfen Sie Tarifalternativen.

Schritt 4: Versicherungsschutz für die neue Tätigkeit aufbauen. Mit der Niederlassung werden eigene Berufshaftpflicht, Praxisausfallversicherung und ggf. Inventarversicherung notwendig.

Schritt 5: Steuerliche Struktur klären. Entscheiden Sie mit einem Steuerberater, ob Sie als Einzelunternehmer oder in einer anderen Struktur starten, und richten Sie die Buchführung vor dem ersten Praxistag ein.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Ein typischer Fehler ist die Unterschätzung der Anlaufzeit bis zum wirtschaftlichen Gleichgewicht. Viele Praxen brauchen ein bis zwei Jahre, bis die Einnahmen die laufenden Kosten übersteigen. Wer keine ausreichende Liquiditätsreserve hat, gerät in finanzielle Not.

Ärzteversichert begleitet angestellte Ärzte bei der Vorbereitung auf die Niederlassung. Wir helfen dabei, den Versicherungsschutz rechtzeitig aufzubauen und den Übergang von der angestellten zur selbstständigen Absicherung nahtlos zu gestalten.

Fazit

Mit strukturierter Planung gelingt der Übergang von der Anstellung in die Niederlassung reibungslos. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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