Online-Bewertungsportale wie Jameda, Google Maps und DocInsider sind für Patienten zu zentralen Entscheidungshilfen bei der Arztwahl geworden. Für Praxisinhaber bedeutet dies: Der digitale Ruf ist ein echter Wettbewerbsfaktor, der aktiv gestaltet werden muss.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mehr als 70 Prozent der Patienten lesen Arztbewertungen vor der Terminbuchung
  • Praxisinhaber haben das Recht, unwahre oder beleidigende Bewertungen löschen zu lassen
  • Aktives Reputationsmanagement verbessert das Ranking und stärkt das Patientenvertrauen

Grundlagen: Rechtslage und Praxisrelevanz von Bewertungsportalen

Ärzte müssen grundsätzlich in Bewertungsportalen gelistet sein, ohne zugestimmt zu haben. Das Bundesverfassungsgericht hat 2019 entschieden (Az. 1 BvR 16/13), dass die Datenspeicherung und Veröffentlichung von Arztbewertungen grundsätzlich zulässig ist, sofern die Betreiber gewisse Sorgfaltspflichten einhalten.

Falsche Tatsachenbehauptungen in Bewertungen können juristisch angegangen werden. Der Arzt kann vom Portalbetreiber verlangen, eine erkennbar unwahre Bewertung zu löschen. Beleidigungen und Schmähkritik sind ebenfalls löschungsfähig. Hingegen sind Meinungsäußerungen auch dann zu dulden, wenn sie negativ sind. Bei systematischen Falschbewertungen (Fake Reviews) bieten Rechtsanwälte für IT- und Medienrecht Unterstützung.

Die wichtigsten Portale sind Jameda, Google Maps, DocInsider und Arztnavigator. Google Maps hat die höchste Reichweite, weil Suchergebnisse direkt angezeigt werden. Eine aktive Präsenz auf diesen Portalen ist daher für jede Praxis empfehlenswert.

Schritt für Schritt: Reputationsmanagement für Arztpraxen

Schritt 1: Profile auf allen relevanten Portalen beanspruchen. Registrieren Sie sich als Praxisinhaber auf Jameda, Google Business und DocInsider, um volle Kontrolle über Ihre Daten zu haben.

Schritt 2: Stammdaten vollständig pflegen. Vollständige Angaben zu Öffnungszeiten, Leistungsangebot und Kontaktdaten verbessern das Ranking und reduzieren Patientenfrustrationen.

Schritt 3: Zufriedene Patienten um Bewertungen bitten. Viele Patienten bewerten eine Praxis nur dann, wenn sie unzufrieden sind. Sprechen Sie aktiv zufriedene Patienten an, eine Bewertung zu hinterlassen.

Schritt 4: Auf Bewertungen antworten. Reagieren Sie professionell auf negative Bewertungen, ohne Patientendaten zu erwähnen. Eine sachliche, höfliche Antwort signalisiert Offenheit und Qualitätsbewusstsein.

Schritt 5: Unberechtigte Bewertungen melden. Melden Sie offensichtlich falsche oder beleidigende Bewertungen dem Portalbetreiber und fordern Sie die Löschung mit Begründung an.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Ein häufiger Fehler ist die Reaktion auf negative Bewertungen mit Gegenbeschimpfungen oder detaillierten Rechtfertigungen, die versehentlich Patientendaten preisgeben. Jede öffentliche Antwort auf eine Bewertung muss datenschutzkonform formuliert sein und den Arzt als professionell und souverän darstellen.

Ärzteversichert empfiehlt, den digitalen Ruf als integralen Bestandteil des Praxismanagements zu betrachten. Eine starke Online-Präsenz trägt zur Patientengewinnung bei und schützt die Praxis vor den Auswirkungen einzelner negativer Bewertungen.

Fazit

Aktives Reputationsmanagement auf Bewertungsportalen ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil des Praxismarketings. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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