Bewertungsportale wie jameda oder Google haben erheblichen Einfluss auf die Patientengewinnung von Arztpraxen. Ein strategischer Umgang mit diesen Plattformen schützt den Ruf und nutzt das Potenzial digitaler Mundpropaganda.
Das Wichtigste in Kürze
- Bewertungsportale sind für neue Patienten eine der wichtigsten Informationsquellen
- Negative Bewertungen können oft nicht gelöscht werden, aber professionell beantwortet werden
- Ein aktives Reputationsmanagement beginnt mit der Zufriedenheit der Patienten in der Praxis
Grundlagen: Bedeutung von Bewertungsportalen für Arztpraxen
Studien zeigen, dass ein erheblicher Anteil der Patienten vor einem Arztbesuch Online-Bewertungen konsultiert. Besonders für neue Patienten sind Portale wie jameda, Google Maps oder auch DoctoLib-Bewertungen häufig der erste Berührungspunkt mit einer Praxis.
Aus rechtlicher Sicht sind Bewertungsportale in Deutschland grundsätzlich zulässig. Arztpraxen können sich dagegen nicht per se sperren. Das Bundesgerichtshof hat in mehreren Urteilen entschieden, dass das Interesse der Öffentlichkeit an Informationen über Ärzte das Persönlichkeitsrecht des Arztes überwiegt, solange die Bewertungen auf einem Tatsachenkern basieren.
Falsche Tatsachenbehauptungen oder beleidigenden Inhalte können unter bestimmten Voraussetzungen gelöscht werden. Das Portal ist verpflichtet, offensichtlich rechtswidrige Inhalte auf Anfrage zu entfernen. Der Nachweis ist jedoch schwierig, und der Rechtsweg ist zeitaufwendig.
Schritt für Schritt: Reputationsmanagement für Arztpraxen
Schritt 1: Eigene Präsenz auf den wichtigsten Portalen beanspruchen. Registrieren Sie Ihre Praxis auf jameda, Google und anderen relevanten Plattformen, um selbst die Basisinformationen zu kontrollieren.
Schritt 2: Systematisch positive Bewertungen einsammeln. Bitten Sie zufriedene Patienten aktiv darum, eine Bewertung zu hinterlassen. Einfache Hinweisschilder in der Praxis oder ein QR-Code auf der Rechnung können helfen.
Schritt 3: Auf alle Bewertungen professionell antworten. Bedanken Sie sich für positive Bewertungen und antworten Sie auf negative sachlich und ohne Preisgabe von Patienteninformationen (DSGVO).
Schritt 4: Rechtlich nicht haltbare Bewertungen anfechten. Bei eindeutigen Falschaussagen oder beleidigenden Inhalten wenden Sie sich an den Portalbetreiber und fordern Sie die Löschung unter Darlegung des Verstoßes.
Schritt 5: Patientenzufriedenheit strukturell verbessern. Das beste Reputationsmanagement beginnt beim Erlebnis in der Praxis: Wartezeiten, Freundlichkeit und Kommunikation beeinflussen Bewertungen direkt.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
Ein häufiger Fehler ist das Ignorieren von Bewertungsportalen bis eine Häufung negativer Bewertungen entsteht. Wer sich erst dann damit befasst, kämpft gegen ein verfestigtes Negativ-Image, statt frühzeitig eine positive Reputation aufzubauen.
Ärzteversichert empfiehlt, neben dem aktiven Reputationsmanagement auch eine Rechtsschutzversicherung zu prüfen, die bei Auseinandersetzungen rund um Portalbewertungen oder Persönlichkeitsrechtsverletzungen unterstützt.
Fazit
Ein strategisches Reputationsmanagement schützt den Ruf der Praxis und stärkt die Patientengewinnung. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesärztekammer – Ärzte und digitale Medien
- Bundesministerium für Gesundheit – Patientenrechte
- BaFin – Datenschutz
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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