Eine Praxisgründung von Grund auf ist die anspruchsvollste Form der Niederlassung. Wer neu gründet, hat die volle Gestaltungsfreiheit, trägt aber auch das volle unternehmerische Risiko.
Grundlagen
Im Gegensatz zur Praxisübernahme beginnen Praxisgründer ohne bestehenden Patientenstamm. Das bedeutet: längerer Zeitraum bis zur Kostendeckung, aber auch maximale Freiheit bei Standort, Konzept und Ausstattung.
Schritte auf dem Weg zur eigenen Praxis:
- Kassenzulassung sichern (oder als Privatarzt gründen)
- Standort und Räumlichkeiten finden
- Finanzierung arrangieren
- Praxis ausstatten
- Personal einstellen
- Genehmigungen einholen
- Versicherungen abschließen
- Marketing starten
Typische Investitionskosten einer Neugründung: 150.000 bis 400.000 Euro je nach Fachrichtung und Ausstattung.
Schritt-für-Schritt-Vorgehen
Schritt 1: Businessplan erstellen
Ein detaillierter Businessplan ist Grundlage für die Finanzierung. Er enthält: Marktanalyse, Standortbewertung, Umsatzprognose, Kostenplanung, Liquiditätsplanung und Break-Even-Analyse.
Schritt 2: Kassenzulassung sichern
Beantragen Sie rechtzeitig die Zulassung beim Zulassungsausschuss der KV. Bei der Neugründung benötigen Sie einen freien Kassenarztsitz im Planungsbereich.
Schritt 3: Standort und Mietvertrag verhandeln
Wählen Sie einen Standort mit guter Erreichbarkeit, ausreichend Parkplätzen und möglichst geringer Konkurrenz. Lassen Sie den Mietvertrag von einem Fachanwalt prüfen.
Schritt 4: Finanzierung strukturieren
Sprechen Sie mit mehreren Banken und der KfW über Finanzierungsmöglichkeiten. Typische Laufzeiten für Praxisdarlehen: 10 bis 15 Jahre.
Schritt 5: Praxis ausstatten und genehmigen
Planen Sie Umbaumaßnahmen, Medizingerätebeschaffung und Praxisverwaltungssystem. Beantragen Sie alle erforderlichen Genehmigungen (Baugenehmigung, Strahlenschutz, Hygieneplan).
Schritt 6: Versicherungen abschließen
Berufshaftpflicht, Betriebsunterbrechungsversicherung, Praxisinhaltsversicherung, Elektronikversicherung und Arbeitgeberhaftpflicht müssen vor der Eröffnung bestehen.
Häufige Fehler vermeiden
Umsatz zu optimistisch geplant: Rechnen Sie in den ersten sechs bis zwölf Monaten mit einem deutlich niedrigeren Umsatz als erwartet.
Personal zu früh eingestellt: Beginnen Sie mit minimalem Personal und bauen Sie es mit dem Praxiswachstum aus.
Versicherungen zu spät abgeschlossen: Alle Versicherungen müssen vor dem ersten Patienten bestehen.
Marketing vergessen: Ohne aktives Marketing kommen keine Patienten. Erstellen Sie eine Website, melden Sie die Praxis bei Arztbewertungsportalen an und informieren Sie überweisende Kollegen.
Fazit
Eine Praxisgründung ist ein spannendes Projekt, das sorgfältige Planung erfordert. Mit dem richtigen Team aus Steuerberater, Finanzierungsberater und Versicherungsmakler gelingt der Start. Ärzteversichert unterstützt Sie bei allen versicherungsrechtlichen Fragen.
Quellen:
- KBV: Praxisgründung
- KfW: Gründungsförderung Gesundheitsberufe
- Bundesärztekammer: Niederlassung und Gründung
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