Die Praxisübernahme ist für viele Ärzte der Weg in die Selbstständigkeit. Im Gegensatz zur Neugründung übernehmen Sie einen bestehenden Patientenstamm, eine eingespielte Praxisstruktur und oft auch erfahrenes Personal. Dennoch erfordert die Übernahme eine sorgfältige rechtliche, wirtschaftliche und organisatorische Vorbereitung.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Due-Diligence-Prüfung vor dem Kauf ist unverzichtbar
- Der Kaufpreis orientiert sich am Praxiswert nach gängigen Gutachterverfahren
- Zulassungsrecht und Kassenarztzulassung des Vorgängers müssen rechtssicher übertragen werden
Grundlagen: Was bei einer Praxisübernahme zu beachten ist
Eine Praxisübernahme umfasst den Kauf des immateriellen Werts der Praxis (Goodwill), also Patientenstamm, Standort und Ruf, sowie der materiellen Ausstattung (Geräte, Inventar). Der Kaufpreis ergibt sich aus der Summe beider Komponenten. Für die Bewertung gibt es anerkannte Verfahren, darunter das Ertragswertverfahren der Bundesärztekammer und das Umsatzverfahren nach KBV-Richtlinien.
Die Kassenarztzulassung des Vorgängers kann nicht direkt übertragen werden. Der Übernehmer muss beim Zulassungsausschuss eine eigene Zulassung beantragen, die jedoch in der Praxis regelmäßig genehmigt wird, wenn die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind und der Planungsbereich nicht gesperrt ist. Wichtig ist die zeitliche Koordination: Der Übergeber gibt seine Zulassung auf, der Übernehmer tritt ein.
Die Due Diligence prüft alle wesentlichen Aspekte der Praxis: wirtschaftliche Kennzahlen der letzten drei Jahre, Vertragsbestand (Mietvertrag, Lieferverträge), Personalverträge, Verbindlichkeiten und eventuelle Rechtsstreitigkeiten. Eine fehlende Due Diligence ist das größte Risiko bei einer Praxisübernahme.
Schritt für Schritt: Praxisübernahme strukturiert angehen
Schritt 1: Praxissuche und erste Kontaktaufnahme. Nutzen Sie KV-Stellenbörsen, Ärztekammer-Nachfolgebörsen und spezialisierte Makler. Vereinbaren Sie Hospitationen, bevor Sie in Verhandlungen einsteigen.
Schritt 2: Due Diligence durchführen. Lassen Sie Steuerberater und Rechtsanwalt alle relevanten Unterlagen prüfen, bevor Sie einen Kaufpreis verhandeln.
Schritt 3: Kaufpreis verhandeln. Beauftragen Sie einen unabhängigen Gutachter mit der Praxisbewertung und verhandeln Sie auf Basis des ermittelten Werts.
Schritt 4: Kaufvertrag rechtssicher gestalten. Der Kaufvertrag muss Regelungen zu Inventarübernahme, Patientendatenübergabe, Personalübernahme und Gewährleistung enthalten.
Schritt 5: Zulassungsverfahren einleiten. Stellen Sie den Zulassungsantrag zeitgleich mit dem Kaufvertragsabschluss, um Verzögerungen beim Praxisstart zu vermeiden.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
Ein häufiger Fehler ist die Überzahlung aufgrund unzureichender Bewertung. Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen und bestehen Sie auf einer professionellen Gutachterbewertung vor dem Kaufabschluss.
Ärzteversichert begleitet Praxisübernehmer bei der Absicherung des Übergangsprozesses. Gerade in der Übergangszeit müssen Berufshaftpflicht und Berufsunfähigkeitsversicherung lückenlos weiterbestehen, und neue Praxisrisiken müssen ab dem ersten Tag abgesichert sein.
Fazit
Eine gründlich vorbereitete Praxisübernahme bietet den idealen Start in die Selbstständigkeit mit einem etablierten Fundament. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Praxisübernahme
- Bundesärztekammer – Praxiswertermittlung
- Gesetze im Internet – Ärzte-ZV Zulassung
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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