Investitionen in Praxisausstattung, medizinische Geräte und IT-Systeme gehören zum betrieblichen Alltag jedes Praxisinhabers. Wie diese Investitionen steuerlich abgeschrieben werden, beeinflusst die Liquidität der Praxis und die jährliche Steuerlast erheblich. Zwei Abschreibungsmethoden stehen zur Auswahl: die gleichmäßige lineare Abschreibung über die Nutzungsdauer und, wo steuerlich zulässig, die degressive Abschreibung mit höheren Beträgen in den ersten Jahren. Die Wahl der richtigen Methode kann tausende Euro Steuervorteil bedeuten.
Das Wichtigste in Kürze
- Lineare AfA verteilt den Aufwand gleichmäßig und ist planungssicher; degressive AfA maximiert den Steuervorteil in frühen Jahren.
- Degressive Abschreibung (§ 7 Abs. 2 EStG) wurde für Anschaffungen ab 2020 befristet wieder eingeführt.
- Bei hochpreisigen Geräten (Ultraschall, Endoskopie) können Sofortabschreibungen als GWG bis 800 € genutzt werden.
- Die optimale Methode hängt von aktuellem Einkommensniveau, Progressionsstufe und Liquiditätsbedarf ab.
Vergleichstabelle
| Kriterium | Lineare AfA | Degressive AfA |
|---|---|---|
| Abschreibungsverlauf | Gleichmäßig über Nutzungsdauer | Höher am Anfang, sinkt jährlich |
| Steuerlicher Vorteil | Gleichmäßig über Jahre verteilt | Konzentriert in frühen Jahren |
| Planungssicherheit | Hoch | Mittel |
| Wechselmöglichkeit | Zu degressiv nur im ersten Jahr | Zu linear jederzeit zulässig |
| Geeignet für | Stabile Ertragslage | Hohe Anfangsgewinne, Liquiditätsbedarf |
| GWG-Sofortabzug | Bis 800 € netto | Bis 800 € netto |
Detailvergleich
Steuerliche Wirkung: Bei der linearen AfA wird der Anschaffungswert durch die Nutzungsdauer geteilt und jährlich gleich hohe Beträge abgesetzt. Die degressive AfA setzt einen festen Prozentsatz (bis zu 25 %, max. 2,5-fach der linearen Rate) auf den jeweiligen Restwert an, das ergibt in frühen Jahren deutlich höhere Abzüge und verringert die Steuerlast in Hochertragsphasen.
Liquiditätsplanung: Für Praxen, die kurz nach einer Investition einen Cashflow-Engpass vermeiden wollen, bietet die degressive AfA einen erheblichen Vorteil: Der höhere Steuerminderungseffekt im ersten und zweiten Jahr verbessert die Liquidität direkt nach der Anschaffung. Langfristig gleichen sich beide Methoden aus, da derselbe Gesamtaufwand abgesetzt wird.
Wechsel zwischen Methoden: Ein Wechsel von linearer zu degressiver AfA ist nach dem ersten Abschreibungsjahr nicht mehr möglich. Umgekehrt kann jederzeit von degressiv zu linear gewechselt werden, sinnvoll, wenn der Restwert stark gesunken ist und ein gleichmäßiger Abschlussabzug optimaler erscheint.
Wann ist welche Option besser?
Degressive AfA eignet sich für Praxisinhaber mit hohem Einkommen im Jahr der Anschaffung oder kurz danach. Wer ein teures Gerät oder eine umfangreiche Praxisausstattung kauft und in den Folgejahren mit sinkenden Gewinnen rechnet, nutzt den Steuerstundungseffekt optimal.
Lineare AfA ist die bessere Wahl für Praxen mit stabilen Einkommensverhältnissen, bei denen kein besonderer Steuersenkungsbedarf in bestimmten Jahren besteht, oder wenn die degressive AfA gesetzlich nicht verfügbar ist.
Fazit
Die degressive Abschreibung bietet Praxisinhabern in hohen Ertragsjahren einen messbaren Liquiditätsvorteil. Ärzteversichert empfiehlt, die Wahl der Abschreibungsmethode gemeinsam mit dem Steuerberater auf Basis des aktuellen Einkommensniveaus und der Investitionsplanung zu treffen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- Bundesministerium für Finanzen: AfA-Tabellen und Abschreibungsregeln
- KBV: Praxiswirtschaft und Investitionsplanung
- Bundesärztekammer: Wirtschaftliche Praxisführung
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