Die zwei zentralen Abrechnungssysteme im deutschen Gesundheitswesen, der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) für Kassenpatienten und die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) für Privatpatienten, funktionieren nach grundlegend unterschiedlichen Prinzipien. Für niedergelassene Ärzte ist das Verständnis beider Systeme essenziell, um Honoraroptimierungen zu identifizieren und Rechte und Pflichten in der Abrechnung zu kennen.
Das Wichtigste in Kürze
- EBM-Honorare sind durch Regelleistungsvolumina gedeckelt; Mehrleistungen werden reduziert vergütet.
- Die GOÄ erlaubt Steigerungsfaktoren und bietet deutlich höhere Einzelleistungsvergütungen.
- Die GOÄ-Reform (GOÄ 2026) wird das private Abrechnungssystem grundlegend modernisieren.
- Für viele Facharztgruppen ist eine Mischung aus EBM-Kassenleistungen und GOÄ-Privatleistungen wirtschaftlich optimal.
Vergleichstabelle
| Kriterium | EBM (Kassenpatienten) | GOÄ (Privatpatienten) |
|---|---|---|
| Vergütungsprinzip | Budgetiert (RLV) | Leistungsbezogen, Steigerungsfaktoren |
| Honorarhöhe | Niedriger (budgetiert) | Deutlich höher |
| Flexibilität | Gering | Hoch (bis 3,5-facher Satz) |
| Abrechnung gegenüber | KV/Krankenkasse | Patient direkt |
| Reform | Laufend (KBV/GKV) | GOÄ-Reform 2026 geplant |
| Transparenz für Patient | Gering | Hoch (Rechnung) |
Detailvergleich
EBM: Deckelung durch Regelleistungsvolumina
Das EBM-System vergütet kassenärztliche Leistungen nach Punktwerten, die in einem Quartal durch das Regelleistungsvolumen (RLV) begrenzt sind. Erbringt ein Arzt mehr Leistungen als das Budget erlaubt, werden Überschreitungen mit reduziertem Punktwert vergütet oder gar nicht vergütet. Dies begrenzt das Einkommenspotenzial, schafft aber Planungssicherheit.
GOÄ: Steigerungsfaktoren und Direktliquidation
In der Privatarztrechnung nach GOÄ kann ein Arzt für jeden Leistungsinhalt eine Vergütung zwischen 1,0-fachem und 3,5-fachem Satz berechnen (in besonderen Fällen darüber hinaus). Die Abrechnung erfolgt direkt mit dem Patienten, der die Kosten von seiner PKV erstattet bekommt. Dies schafft deutlich höhere Einzelhonorare als im EBM.
GOÄ-Reform 2026: Was sich ändert
Die seit Jahren vorbereitete GOÄ-Reform soll das veraltete Leistungsverzeichnis modernisieren, neue Leistungen aufnehmen und die Vergütungsstruktur an aktuelle medizinische Standards anpassen. Für Praxen mit hohem Privatpatientenanteil ist die Reform eine wichtige Weichenstellung.
Wann ist welche Option besser?
EBM ist für die Grundversorgung der Kassenpatienten nicht optional, sondern Pflicht für alle Vertragsärzte. Optimierungspotenzial liegt im gezielten Einsatz strukturierter Leistungskomplexe.
GOÄ bietet erhebliches Mehreinkommenspotenzial für Praxen mit Privatpatientenanteil; Kenntnisse der GOÄ-Steigerungsfaktoren und Analogziffern sind entscheidend für die Erlösoptimierung.
Fazit
Das Nebeneinander von EBM und GOÄ prägt die wirtschaftliche Situation vieler Praxen maßgeblich. Ärzteversichert empfiehlt, die Privatpatientenliquidation regelmäßig zu optimieren und die bevorstehende GOÄ-Reform im Blick zu behalten. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- Bundesärztekammer – GOÄ und GOÄ-Reform 2026
- KBV – EBM und Abrechnungsgrundlagen
- BMG – Honorarsysteme im Überblick
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