Offene Patientenforderungen sind in Arztpraxen mit Privatpatientenanteil ein dauerhaftes Thema. Das eigene Mahnwesen bindet Personalkapazität, belastet die Patientenbeziehung und führt häufig zu unbefriedigenden Ergebnissen. Factoring bietet eine strukturierte Alternative, die Forderungen sofort liquidiert und das Risiko auslagert. Welcher Weg ist für welche Praxis besser?

Das Wichtigste in Kürze

  • Eigenes Mahnwesen bindet Verwaltungsressourcen und erfordert konsequente Prozesse.
  • Factoring gibt Liquidität sofort und lagert Ausfallrisiken aus, kostet aber eine Provision.
  • Die emotionale Belastung des eigenen Mahnwesens gegenüber Patienten sollte nicht unterschätzt werden.
  • Für Praxen mit hohem Privatpatientenanteil und häufigen Zahlungsausfällen rechnet sich Factoring oft.

Vergleichstabelle

KriteriumFactoringEigenes Mahnwesen
SofortliquiditätJa (innerhalb von Tagen)Nein (Zahlungsziele)
AusfallrisikoBeim FactorBei der Praxis
Kosten2–5 % der ForderungenPersonalzeit + ggf. Inkasso
PatientenbeziehungFactor kommuniziertPraxis kommuniziert
Aufwand für TeamSehr geringMittel bis hoch
EignungHoher Privatanteil, häufige AusfälleWenig Ausfälle, starkes Team

Detailvergleich

Eigenes Mahnwesen: Kontrolle mit Aufwand

Ein strukturiertes eigenes Mahnwesen mit klaren Prozessen (Erinnerung nach 14 Tagen, erste Mahnung nach 28 Tagen, zweite Mahnung nach 42 Tagen, Inkasso-Übergabe) ist durchaus machbar. Es erfordert aber konsequente Mitarbeiterschulung, geeignete Software und eine klare Entscheidungsregel für die Übergabe an ein Inkassobüro. Der Zeitaufwand pro ausstehender Forderung liegt bei 15 bis 30 Minuten.

Factoring: Fokus auf Kernaufgaben

Mit Factoring gibt die Praxis die Forderungsverwaltung vollständig ab. Das Team kann sich auf die Patientenversorgung konzentrieren; unangenehme Mahnkommunikation entfällt. Die Factoringgebühr ist transparent und als Betriebsausgabe abzugsfähig.

Patientenbeziehung und Außenwahrnehmung

Manche Praxen berichten, dass Patienten Mahnungen vom Factor als unangenehm empfinden. Andererseits schützt der Factor die direkte Arzt-Patient-Beziehung von unangenehmen Zahlungsdiskussionen, da diese nicht mehr von der Praxis geführt werden müssen.

Wann ist welche Option besser?

Factoring empfiehlt sich für Praxen mit hohem Privatpatientenanteil, häufigen Zahlungsausfällen oder begrenzten Verwaltungsressourcen.

Eigenes Mahnwesen ist ausreichend für Praxen mit wenigen Privatpatienten, einem gut organisierten Verwaltungsteam und einer Patientenklientel mit zuverlässigem Zahlungsverhalten.

Fazit

Die Entscheidung zwischen Factoring und eigenem Mahnwesen hängt von der Praxisstruktur und dem Forderungsvolumen ab. Ärzteversichert empfiehlt, die tatsächlichen Forderungsausfallquoten der letzten Jahre zu analysieren, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

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