Offene Forderungen sind in vielen Arztpraxen ein dauerhaftes Ärgernis. Die Frage ist: Lohnt sich die Auslagerung über Factoring, oder ist ein gut organisiertes eigenes Mahnwesen die bessere Lösung? Die Antwort hängt von Praxisgröße, Personalausstattung und dem Anteil privat liquidierter Patienten ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Factoring verkürzt den Zahlungseingang auf wenige Tage und überträgt das Ausfallrisiko auf den Factor.
- Eigenes Mahnwesen ist günstiger, bindet aber Personalressourcen und hat höhere Ausfallquoten.
- Bei hohem Privatpatientenanteil lohnt sich Factoring besonders.
- Für Kassenpraxen mit geringen Privatforderungen ist eigenes Mahnwesen meist ausreichend.
Vergleichstabelle
| Kriterium | Factoring | Eigenes Mahnwesen |
|---|---|---|
| Zahlungseingang | 2–5 Tage nach Rechnungsstellung | 30–90 Tage |
| Ausfallrisiko | Beim Factor | Bei der Praxis |
| Kosten | 1–3 % der Forderung | Personal- und Sachkosten |
| Administrativer Aufwand | Gering | Mittel bis hoch |
| Empfehlung bei hohem Privatanteil | Ja | Bedingt |
Detailvergleich
Factoring: Liquidität ohne Wartezeit
Factoring ermöglicht es Arztpraxen, Forderungen sofort in Liquidität umzuwandeln. Der Factor zahlt in der Regel innerhalb von 2–5 Werktagen nach Forderungsübergabe. Besonders für Praxen mit hohem Privatpatientenanteil und langen Zahlungszielen ist dies ein erheblicher Liquiditätsvorteil.
Eigenes Mahnwesen: Kostengünstiger, aber aufwendiger
Ein gut organisiertes eigenes Mahnwesen mit strukturierten Zahlungserinnerungen und konsequenten Mahnstufen kann Ausfälle reduzieren, bindet aber Personalressourcen. Bei Kassenpraxen, bei denen die KV innerhalb weniger Wochen zahlt, ist der Aufwand eines eigenen Mahnwesens für Privatforderungen häufig begrenzt.
Break-even-Analyse
Ob sich Factoring lohnt, hängt davon ab, ob die Factoring-Kosten (1–3 %) die Einsparungen durch schnellere Liquidität, reduzierten Personalaufwand und geringere Ausfälle übersteigen. Bei einem Privatforderungsvolumen von über 200.000 Euro jährlich ist Factoring meist wirtschaftlich sinnvoll.
Wann ist welche Option besser?
Factoring, für Praxen mit hohem Privatpatientenanteil, großen Forderungsvolumina und begrenztem Verwaltungspersonal.
Eigenes Mahnwesen, für Kassenpraxen mit geringen Privatforderungen und gut aufgestelltem Praxisteam.
Fazit
Die Entscheidung für Factoring oder eigenes Mahnwesen sollte auf einer wirtschaftlichen Analyse basieren. Ärzteversichert empfiehlt, die Forderungsstruktur der Praxis zu analysieren und dann zu entscheiden. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
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