Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist das Grundwerk der privatärztlichen Abrechnung in Deutschland und wird nach jahrzehntelanger Debatte grundlegend reformiert. Die GOÄ 2026 bringt neue Leistungspositionen, angepasste Punktwerte und veränderte Steigerungssätze. Für niedergelassene Ärzte und Kliniken mit Privatpatientenabrechnung ist das Verständnis der Änderungen essenziell für die Ertragsplanung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die neue GOÄ 2026 löst die GOÄ von 1996 ab und aktualisiert erstmals seit 30 Jahren die Bewertungsstruktur ärztlicher Leistungen.
  • Der Punktwert wird angehoben; viele bislang unterbewertete Leistungen werden aufgewertet, besonders in der kognitiven Medizin (Gesprächsleistungen, Diagnostik).
  • Technisch-apparative Leistungen werden teilweise relativ abgewertet, da ihre Kosten gesunken sind.
  • Die Reform sieht eine automatische Anpassung der Punktwerte alle zwei Jahre vor (Dynamisierung).

Vergleichstabelle

KriteriumGOÄ alt (1996)GOÄ-Reform 2026
Letztes Update19962026
Punktwert5,82873 Cent (Einfachsatz)Erhöht (ca. 11 Cent angestrebt)
SteigerungssatzBis 3,5-fach (Regelfall 2,3-fach)Vereinfachte Struktur geplant
Kognitive LeistungenUnterbezahltAufgewertet
Apparative LeistungenTeils überbezahltAngepasst/abgesenkt
DynamisierungKeineAlle 2 Jahre geplant

Detailvergleich

Alte GOÄ: Historisch gewachsene Schieflage

Die GOÄ von 1996 spiegelt die Kostenstruktur und Bewertungsvorstellungen aus den frühen 1990er Jahren wider. Seitdem haben sich medizinische Technologien erheblich verbilligt, während der Wert ärztlicher Gesprächs- und Beratungsleistungen gestiegen ist. Die Folge ist eine strukturelle Unterbewertung zeitintensiver kognitiver Arbeit (Anamnese, Diagnoseberatung, Befundbesprechung) bei gleichzeitiger relativer Überbewertung mancher technischer Eingriffe. Viele Ärzte weichen deshalb auf Steigerungssätze oder Analogpositionen aus, was zu Abrechnungsstreitigkeiten mit Versicherern führt.

GOÄ-Reform 2026: Modernisierung mit Aufwertung der Arzt-Patient-Kommunikation

Die neue GOÄ enthält mehr als 5.000 Leistungspositionen (gegenüber ca. 2.500 bisher) und bildet aktuelle diagnostische und therapeutische Methoden (Molekularpathologie, interventionelle Radiologie, neue Operationstechniken) erstmals ab. Gesprächs- und Koordinationsleistungen werden erheblich aufgewertet; besonders Hausärzte und Psychiater profitieren. Der neue Punktwert soll die inflationsbedingten Einkommensverluste der letzten 30 Jahre ausgleichen.

Übergangsregelungen und praktische Umsetzung

Die neue GOÄ wird schrittweise eingeführt; Altverträge (zwischen Patient und Arzt) laufen nach bestehenden Regeln aus. Für die Übergangsphase sind Bestandsschutzregelungen geplant. Private Krankenversicherungen haben sich grundsätzlich zur Übernahme der neuen Tarife bekannt, was die Implementierung erleichtert.

Wann ist welche Option besser?

Die alte GOÄ gilt übergangsweise weiterhin für laufende Behandlungsverhältnisse bis zur vollständigen Ablösung. Die neue GOÄ 2026 ist für alle Neupatienten und neu begonnenen Behandlungen der künftige Standard.

Für Ärzte empfiehlt sich eine frühzeitige Schulung im neuen Leistungsverzeichnis, um von der Aufwertung kognitiver Positionen zu profitieren.

Fazit

Die GOÄ-Reform 2026 ist für Privatärzte eine der bedeutendsten Änderungen der letzten Jahrzehnte. Ärzteversichert empfiehlt, rechtzeitig Abrechnungssoftware aktualisieren zu lassen und an Fortbildungen zur neuen GOÄ teilzunehmen, um die höheren Honorare korrekt abrechnen zu können. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

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