Arztpraxen können ihr Honorar grundsätzlich auf zwei Wegen steigern: durch mehr Behandlungsfälle (Mengensteigerung) oder durch einen höheren Erlös pro Fall (Fallwertsteigerung). Beide Strategien haben unterschiedliche Auswirkungen auf Praxiskapazität, Arbeitsbelastung und Wirtschaftlichkeit.
Das Wichtigste in Kürze
- Mengensteigerung erhöht den Umsatz, aber auch die Arbeitsbelastung und Praxiskosten proportional.
- Fallwertsteigerung durch vollständige Abrechnung, IGeL und Privatpatienten steigert den Umsatz ohne proportionale Kostensteigerung.
- Im GKV-System schützt das Regelleistungsvolumen (RLV) kaum vor Degressionsabzügen bei Mengensteigerung.
- Fallwertsteigerung ist die nachhaltigere und wirtschaftlich attraktivere Strategie.
Vergleichstabelle
| Kriterium | Mengensteigerung | Fallwertsteigerung |
|---|---|---|
| Umsatzwirkung | Proportional zu Fällen | Überproportional |
| Arbeitsbelastung | Stark steigend | Moderat steigend |
| Praxiskosten | Steigen proportional | Steigen unterproportional |
| GKV-Budgetrisiko | Hoch (RLV-Überschreitung) | Gering |
| IGeL-Integration | Nein | Ja |
| Nachhaltigkeits-Bewertung | Begrenzt | Hoch |
Detailvergleich
Mengensteigerung: Mehr Patienten, mehr Kosten
Mehr Behandlungsfälle bedeuten mehr Patienten, mehr Personal und mehr Verbrauchsmaterial. Im GKV-Bereich schützt das Regelleistungsvolumen die Budgetierung, wer über das RLV hinausgeht, erhält nur noch reduzierte Vergütung. Mengensteigerung kann also zu Mehrarbeit ohne proportionale Mehrvergütung führen.
Fallwertsteigerung: Effizienter und nachhaltiger
Fallwertsteigerung bedeutet, den Erlös pro behandeltem Patient zu erhöhen. Das gelingt durch vollständige GOÄ/EBM-Abrechnung, gezielte IGeL-Angebote, Erhöhung des Privatpatientenanteils und optimale Leistungsdokumentation. Die Praxiskosten steigen dabei kaum, die Gewinnmarge verbessert sich.
Kombination beider Strategien
Die optimale Praxisstrategie kombiniert beide Ansätze: Kapazitätsauslastung sicherstellen (Mengenbasis) und gleichzeitig Fallwert durch vollständige Abrechnung und IGeL maximieren.
Wann ist welche Option besser?
Mengensteigerung, wenn die Praxis noch Kapazitätsreserven hat und der GKV-Bereich ausgebaut werden soll.
Fallwertsteigerung, als primäre Strategie für etablierte Praxen, die ihren Honorarertrag effizienter steigern wollen.
Fazit
Fallwertsteigerung ist die wirtschaftlich überlegene Strategie für die meisten Arztpraxen. Ärzteversichert empfiehlt, Abrechnungsoptimierung und IGeL-Ausbau zu priorisieren. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
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