Für Ärzte mit hohem Einkommen stellt sich bei der langfristigen Altersvorsorge häufig die Frage: Immobilien kaufen oder in ETF-Sparpläne investieren? Beide Wege haben ihre Anhänger und beide haben substanzielle Vor- und Nachteile. Ein rationaler Vergleich hilft, die optimale Strategie für die persönliche Situation zu finden.
Das Wichtigste in Kürze
- Immobilien bieten Inflationsschutz, mögliche Mieteinnahmen und steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten; sie sind jedoch illiquid und erfordern aktives Management.
- ETF-Sparpläne sind hochliquide, günstig in den Kosten und ermöglichen breite Diversifikation; sie unterliegen Kursschwankungen.
- Historisch erzielen globale Aktien-ETFs ähnliche oder höhere Renditen als Immobilien; nach Nebenkosten und Management-Aufwand ist der Vorteil der Immobilie oft geringer als angenommen.
- Für Ärzte mit Fremdfinanzierung bieten Immobilien einen Hebel-Effekt, der die Eigenkapitalrendite deutlich steigern kann.
Vergleichstabelle
| Kriterium | Immobilie | ETF-Sparplan |
|---|---|---|
| Rendite (langfristig) | 3–6 % p. a. (mit Hebeleffekt höher) | 5–8 % p. a. historisch |
| Liquidität | Sehr gering | Sehr hoch (täglich handelbar) |
| Aufwand | Hoch (Verwaltung, Mieter) | Sehr gering |
| Steuerliche Abschreibung | Ja (AfA 2 %) | Nein |
| Fremdfinanzierung möglich | Ja (Hebel-Effekt) | Eingeschränkt |
| Klumpenrisiko | Hoch (ein Objekt) | Gering (tausende Aktien) |
Detailvergleich
Immobilien: Sachwert mit Hebelwirkung
Eine vermietete Immobilie bietet mehrere Vorteile: laufende Mieteinnahmen, Inflationsschutz durch Sachwert, AfA (2 Prozent p. a. auf Gebäudewert) als Steuerersparnis und die Möglichkeit der Fremdfinanzierung. Der Hebeleffekt durch einen Immobilienkredit kann die Eigenkapitalrendite erheblich steigern: Wer eine Immobilie für 500.000 Euro kauft, 100.000 Euro Eigenkapital einsetzt und die Immobilie wertet sich um 3 Prozent auf, erzielt eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent (vor Kosten und Tilgung). Dem stehen Risiken gegenüber: Leerstand, Mieterprobleme, Instandhaltungskosten und die vollständige Bindung in ein Objekt (Klumpenrisiko).
ETF-Sparplan: Einfach, günstig, diversifiziert
Ein monatlicher ETF-Sparplan auf einen globalen Aktienindex (MSCI World, All World) ist einfach aufzusetzen, hat minimalen Verwaltungsaufwand und ist täglich verfügbar. Die Gebühren liegen bei unter 0,2 Prozent pro Jahr; eine breite Diversifikation über tausende Unternehmen minimiert das Einzelausfallrisiko. Kursrückgänge sind bei langem Anlagehorizont historisch stets überwunden worden. Für Ärzte ohne Zeit für aktives Vermögensmanagement ist der ETF-Sparplan die ressourcenschonendste Option.
Kombination: Immobilien und ETFs ergänzen sich
Viele Finanzplaner empfehlen eine Kombination: selbstgenutzte Immobilie als emotionaler Anker und Altersvorsorge-Basis; ETF-Portfolio als flexibler liquider Baustein; Vermietungsobjekte nur für Ärzte mit ausreichender Zeit und Marktkenntnis. Die eigene Praxisimmobilie kombiniert Betriebsvermögen und Sachwertanlage.
Wann ist welche Option besser?
Immobilie empfiehlt sich für Ärzte mit Interesse an Immobilien, ausreichend Eigenkapital für Nebenkosten, Bereitschaft zum aktiven Management und einem langen Anlagehorizont.
ETF-Sparplan ist die bessere Wahl für Ärzte mit wenig Zeit für Vermögensverwaltung, die maximale Liquidität benötigen und Diversifikation über Branchen und Regionen bevorzugen.
Fazit
Eine Kombination aus ETF-Sparplan und einer strategisch ausgewählten Immobilie ist für viele Ärzte der optimale Weg. Ärzteversichert empfiehlt, vor dem Kauf einer Anlageimmobilie eine Rentabilitätsrechnung inklusive aller Nebenkosten (Grunderwerbsteuer, Makler, Notar, Instandhaltungsrücklage) gegenüber dem alternativen ETF-Investment durchzuführen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- BaFin – Immobilien als Kapitalanlage und Risikoinformation
- BMF – Steuerliche Behandlung von Vermietungseinkünften und AfA
- GDV – Altersvorsorge und Kapitalanlage für Ärzte
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