Wer eine Praxis gründet, kauft oder erweitert, braucht in der Regel Fremdkapital – oft zwischen 150.000 und 500.000 €. Die Wahl des Kreditgebers beeinflusst Zinssatz, Tilgungsstruktur und die Qualität der Beratung. Hausbank, spezialisierte Ärztebank und Online-Kreditanbieter bieten unterschiedliche Stärken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Hausbank kennt den Kunden, kann schnell entscheiden, hat aber oft keine Branchenexpertise für Heilberufe.
  • Spezialbanken für Ärzte (apoBank, Deutsche Ärzte Finanz) bieten maßgeschneiderte Produkte mit tilgungsfreien Anlaufphasen und branchenverständiger Risikobeurteilung.
  • Online-Kreditanbieter (FinTechs) sind schnell, digital und teils günstiger, bieten aber kaum individuelle Beratung.
  • KfW-Förderkredite sind über alle drei Kreditgeber zugänglich und sollten immer geprüft werden.

Vergleichstabelle

KriteriumHausbankÄrztebankOnline-Kredit
ZinsniveauMarktüblichWettbewerbsfähigOft günstig (variabel)
BranchenkenntnisGeringSehr hochGering
Tilgungsfreie PhaseVerhandelbarStandard (1–5 Jahre)Selten
Bearbeitungszeit2–4 Wochen2–6 Wochen1–5 Tage
Persönliche BeratungMittelHochKeine/gering
Kombination mit KfWMöglichMöglichEingeschränkt

Detailvergleich

Hausbank: Beziehungsbank mit Grenzen

Die Hausbank profitiert von langjähriger Kontoführungshistorie und schnellen Kreditentscheidungen. Bei einer Praxisfinanzierung fehlt ihr jedoch oft das Spezialwissen über Praxiswertermittlung, Kassenzulassungsrisiken und die typische Einnahmenentwicklung junger Praxen. Das führt gelegentlich zu konservativeren Kreditangeboten.

Ärztebank: Branchenkompetenz als Mehrwert

Spezialbanken für Heilberufe berechnen Risiken nach branchenspezifischen Kennzahlen. Eine Praxis mit Kassenzulassung gilt als sehr sicherer Kreditnehmer – das führt zu günstigeren Konditionen und flexibleren Strukturen. Tilgungsfreie Anlaufjahre, Sondertilgungsoptionen und Praxisgründungsprodukte sind Standard.

Online-Kredit: Schnell, digital, ohne Tiefe

Online-Kreditanbieter wie Lendico oder Funding Circle können kleine Kreditbedarfe (bis 200.000 €) sehr schnell auszahlen. Für große Praxisfinanzierungen fehlen ihnen jedoch die Produkte und die Beratungstiefe. Zudem sind diese Anbieter häufig nicht KfW-Durchleitungsbank.

Wann ist welche Option besser?

Hausbank eignet sich für ergänzende Kreditlinien und für Ärzte, die eine unkomplizierte Beziehung zu ihrer Hausbank pflegen wollen.

Ärztebank ist die erste Wahl für Praxisgründungen, -übernahmen und größere Investitionen – wegen Branchenkompetenz und flexibler Produkte.

Online-Kredit kann kurzfristigen Liquiditätsbedarf überbrücken, aber nicht die Hauptfinanzierung einer Praxisgründung stemmen.

Fazit

Für Praxisgründungen und -übernahmen empfiehlt Ärzteversichert den Gang zur Spezialbank als ersten Schritt, kombiniert mit einem KfW-Förderkreditantrag. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

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