Radiologen und Kinderärzte betreiben Praxen, die sich in Umsatzstruktur, Apparateintensität und Nachfrageprofil fundamental unterscheiden – und das schlägt sich beim Praxiswert nieder. Wer eine solche Praxis kauft oder abgibt, sollte verstehen, welche Faktoren den Kaufpreis dominieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Radiologiepraxen haben sehr hohe materielle Werte (MRT, CT, Röntgenanlage), aber häufig geringe immaterielle Werte (Goodwill), da Überweiserpatienten an Zuweiser gebunden sind.
  • Kinderarztpraxen haben einen treuen Patientenstamm und hohen immateriellen Wert, aber niedrigere Umsätze durch den GKV-Schwerpunkt.
  • Radiologiepraxen erzielen höhere absolute Kaufpreise, sind aber kapitalintensiver und schwieriger zu finanzieren.
  • Beide Praxistypen werden nach dem modifizierten Ertragswertverfahren der Bundesärztekammer bewertet.

Vergleichstabelle

KriteriumRadiologiepraxisKinderarztpraxis
Durchschn. Jahresumsatz1,5–4 Mio. €300.000–500.000 €
Privatanteil am Umsatz15–25 %5–15 %
Materieller PraxiswertSehr hoch (Großgeräte)Gering–mittel
Immaterieller Wert (Goodwill)GeringHoch
Typischer Kaufpreis500.000–2 Mio. €150.000–300.000 €
Nachfrage (Käufermarkt)MittelHoch

Detailvergleich

Apparative Ausstattung und materielle Wertermittlung

Radiologiepraxen erfordern Investitionen von mehreren Millionen Euro für MRT, CT und Röntgenanlagen. Diese Geräte verlieren durch technischen Fortschritt rasch an Wert – ein fünf Jahre alter MRT kann bei der Praxisbewertung erheblich abgewertet sein. Kinderarztpraxen sind hingegen apparativ überschaubar ausgestattet; der Investitionsbedarf ist deutlich niedriger, was den Einstiegspreis senkt.

Goodwill und Patientenbindung

In der Radiologie hängen Patienten von Überweisungen ab – wechselt der Überweiser, sinkt der Umsatz. Das macht den Goodwill bei Radiologiepraxen tendenziell fragil. Kinderarztpraxen profitieren von einer starken emotionalen Bindung der Familien: Eltern wechseln den Kinderarzt selten, was den immateriellen Wert stabil hält.

Bewertungsverfahren und Finanzierung

Das modifizierte Ertragswertverfahren berechnet den Praxiswert auf Basis des bereinigten Jahresüberschusses multipliziert mit einem Faktor. Bei Radiologiepraxen muss der hohe Investitionsstau (Geräteersatz) vom Käufer in die Finanzierungsplanung einbezogen werden. Kinderarztpraxen sind einfacher zu finanzieren, aber der Nachwuchs in der Pädiatrie ist knapp.

Wann ist welche Option besser?

Kauf einer Radiologiepraxis eignet sich für Radiologen mit Zugang zu Bankfinanzierung und einem stabilen Zuweisernetzwerk – der hohe Kapitaleinsatz muss durch verlässliche Auslastung abgesichert sein.

Kauf einer Kinderarztpraxis ist für Pädiater der direkteste Weg in die Niederlassung: überschaubare Investition, stabiler Patientenstamm und gute Refinanzierbarkeit über KV-Zulassung.

Fazit

Radiologiepraxen sind wertintensiver, aber riskanter – Kinderarztpraxen günstiger und stabiler. Ärzteversichert empfiehlt, vor dem Kauf eine unabhängige Praxiswertermittlung sowie eine technische Due-Diligence der Geräteausstattung durchzuführen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

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