Der Anteil der Privatpatienten in einer Arztpraxis bestimmt maßgeblich Umsatzniveau, Liquiditätsprofil und letztlich auch den Praxiswert. Niedergelassene Ärzte in Deutschland bedienen sowohl GKV- als auch PKV-Versicherte – aber die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser Mischung sind erheblich und sollten vor der Niederlassung durchgerechnet werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Facharztpraxis mit 80 % Privatpatienten kann bis zu dreimal so hohe Honorare pro Patient erzielen wie bei 20 % Privatpatientenanteil.
  • Praxen mit hohem Privatanteil sind umsatzstärker, aber anfälliger für PKV-Systemveränderungen und Zahlungsverzug bei Selbstzahlern.
  • Der Privatpatienten-Anteil beeinflusst auch den Goodwill bei der Praxiswertermittlung – hoher Privatanteil erhöht den immateriellen Wert.
  • GOÄ-Leistungen werden mit dem 2,3- bis 3,5-fachen Satz abgerechnet; EBM-Leistungen sind budgetiert.

Vergleichstabelle

Kriterium20 % Privatanteil50 % Privatanteil80 % Privatanteil
Typischer Jahresumsatz (Facharzt)300.000–400.000 €450.000–650.000 €700.000–1,2 Mio. €
Honorar pro Quartal/PatientGering (EBM-Budget)MittelHoch (GOÄ-Spielraum)
LiquiditätssicherheitHoch (KV-Zahlung)MittelMittel (Selbstzahler-Risiko)
VerwaltungsaufwandGeringMittelHoch (PKV-Rechnungen)
Goodwill bei PraxisverkaufMittelHochSehr hoch
Abhängigkeit von PKV-SystemGeringMittelHoch

Detailvergleich

Umsatz und Honorarstruktur

Im GKV-System werden Leistungen über den EBM abgerechnet – innerhalb eines KV-Budgets, das zu Honorarkürzungen führen kann. PKV-Patienten werden nach GOÄ abgerechnet; der Steigerungsfaktor liegt bei 2,3 (Regelsatz) bis 3,5 (besonderer Begründung). Praxen mit hohem Privatanteil erzielen daher bei gleicher Patientenzahl deutlich höhere Umsätze.

Liquidität und Zahlungsverzug

KV-Zahlungen erfolgen quartalsweise, pünktlich und ohne Aufwand. PKV-Abrechnungen müssen aktiv gestellt und verfolgt werden; bei Selbstzahlern entstehen Ausfallrisiken. Praxen mit 80 % Privatanteil müssen ein aktives Forderungsmanagement betreiben, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden.

Praxiswert und Nachfolge

Bei der Praxiswertermittlung erhöht ein hoher Privatanteil den Goodwill erheblich – der Käufer kauft in die Patientenstruktur hinein. Allerdings kann ein überwiegend privater Patientenstamm bei der Nachfolge herausfordernd sein, wenn der neue Arzt das Vertrauen der Patienten erst aufbauen muss.

Wann ist welche Option besser?

20–30 % Privatanteil ist typisch für Hausarztpraxen und gut für stabile, planbare Einnahmen mit geringem Verwaltungsaufwand.

50–60 % Privatanteil ist ein attraktives Gleichgewicht für Fachärzte in Ballungsräumen – hoher Umsatz bei überschaubarem Abrechnungsaufwand.

80 %+ Privatanteil ist realistisch in bestimmten Großstadtlagen oder Spezialdisziplinen (Ästhetik, Privatambulanz) – hohe Margen, aber auch hohes Abhängigkeitsprofil.

Fazit

Der optimale Privatpatienten-Anteil hängt von Fachgebiet, Standort und persönlichen Präferenzen ab. Ärzteversichert empfiehlt, die eigene Praxis regelmäßig auf die Umsatzstruktur zu analysieren und GOÄ-Leistungen konsequent korrekt abzurechnen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

Persönliche Beratung zu diesem Thema?

Kostenfreie Erstberatung anfragen →