Niedergelassene Ärzte als Freiberufler haben keine gesetzliche Rentenversicherungspflicht und können zwischen verschiedenen Altersvorsorgestrategien wählen. Zwei populäre Modelle sind die Rürup-Rente (Basisrente) als steuerlich gefördertes Produkt und der eigenständige ETF-Sparplan als flexible Kapitalmarktlösung. Welche Option passt für Ärzte besser?
Das Wichtigste in Kürze
- Die Rürup-Rente ist steuerlich absetzbar: 2026 sind Beiträge bis 27.566 € (Alleinstehende) zu 100 % als Sonderausgaben abzugsfähig.
- ETF-Sparpläne bieten volle Flexibilität: Kapital ist jederzeit zugänglich (Verkauf möglich), keine Bindung bis zum Renteneintritt.
- Rürup-Renten unterliegen im Alter der nachgelagerten Besteuerung; ETF-Erträge werden mit Abgeltungsteuer (25 %) belastet.
- Für Ärzte mit Spitzensteuer von 42–45 % ist der Steuereffekt der Rürup-Rente besonders vorteilhaft.
Vergleichstabelle
| Kriterium | Rürup-Rente | ETF-Sparplan |
|---|---|---|
| Steuerlicher Vorteil (Einzahlung) | Hoch (Sonderausgabenabzug) | Keiner |
| Flexibilität/Entnahme | Keine (Rente ab 62 frühestens) | Jederzeit |
| Renditepotenzial | Mittel (fondsgebunden möglich) | Hoch (MSCI World ~7–10 % p.a.) |
| Vererbbarkeit | Eingeschränkt (nur Ehepartner/Kinder) | Voll vererbbar |
| Kosten | 0,5–2 % p.a. (je nach Anbieter) | 0,1–0,3 % p.a. (ETF-Kosten) |
| Besteuerung im Alter | Nachgelagert (bis 100 % steuerpflichtig) | Abgeltungsteuer 25 % auf Erträge |
Detailvergleich
Steuerlicher Vorteil der Rürup-Rente
Der Hauptvorteil der Rürup-Rente liegt im Sonderausgabenabzug. Ein Arzt mit einem zu versteuernden Einkommen von 200.000 € zahlt auf jeden eingezahlten Euro Sonderausgaben rund 45 Cent weniger Einkommensteuer. Das ergibt bei maximaler Einzahlung (27.566 €) eine Steuerersparnis von über 12.000 € pro Jahr – ein erheblicher Liquiditätsvorteil.
Flexibilität und Verfügbarkeit
ETF-Sparpläne ermöglichen maximale Kontrolle: Das angesparte Kapital kann jederzeit (teil-)entnommen werden – für ungeplante Praxisinvestitionen, Elternzeit oder Notfälle. Rürup-Renten sind bis zum Rentenbeginn (frühestens 62 Jahre) nicht verfügbar und können nicht beiehen oder abgetreten werden. Diese Unflexibilität ist der größte Nachteil.
Kostenstruktur und Renditepotenzial
Viele Rürup-Produkte sind als fondsgebundene Rentenversicherungen konzipiert und enthalten Versicherungskosten von 1–2 % p.a. – deutlich teurer als ein selbst zusammengestellter ETF-Sparplan. Einen günstigen Rürup-ETF-Tarif über einen Nettotarif-Makler kann diese Lücke schließen, erfordert aber aktive Suche.
Wann ist welche Option besser?
Rürup-Rente lohnt sich für Ärzte mit hohem steuerpflichtigen Einkommen (über 100.000 €), die den Sonderausgabenabzug voll ausschöpfen wollen und keine Flexibilität benötigen.
ETF-Sparplan ist die bessere Wahl für jüngere Ärzte in der Aufbauphase, für Ärztinnen mit Familienplanungspause und für alle, die maximale Liquiditätskontrolle über ihr Kapital behalten wollen.
Fazit
Rürup und ETF schließen sich nicht aus – eine Kombination (Rürup für Steueroptimierung, ETF für Flexibilität) ist für viele Ärzte die sinnvollste Lösung. Ärzteversichert empfiehlt, beide Optionen jährlich mit dem Steuerberater unter Berücksichtigung der aktuellen Einkommenssituation zu überprüfen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- Bundesfinanzministerium – Rürup-Rente und Sonderausgabenabzug
- Deutsche Rentenversicherung – Basisrente für Selbstständige
- Bundesärztekammer – Altersvorsorge für niedergelassene Ärzte
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